Tarif/Holzindustrie

Hohe Beteiligung am Warnstreik bei Beeskower Holzwerkstoffen

  • 25.04.2016
  • md
  • Aktuelles, Tarif, Holz und Kunststoff

Erst Tarifflucht, dann Entgeltkürzungen verlangen: Die Belegschaft der Beeskower Holzwerkstoffe (BHW), ist nun komplett sauer auf ihre Chefs. Das zeigten 130 Beschäftigte der Früh- und Spätschicht am 25. April mit einem mehrstündigen Warnstreik.

Warnstreik bei BHW Holzwerkstoffe (Glunz): Erst Tarifflucht, dann Entgeltkürzung? Nicht mit uns!

Auch an den West-Standorten Nettgau und Meppen stoppte die Produktion. In Horn und anderen Standorten gab es außerordentliche Betriebsversammlungen.

 

Was hat die Leute so aufgebracht und überaus zahlreich vor das Tor getrieben? Das Unternehmen mit Sitz in Niedersachsen hat die Tarifbindung verlassen und will nun  seinen rund 200 Beschäftigten in Beeskow rund 3 600 Euro pro Jahr aus der Tasche ziehen.

 

So setzen sich die 3 600 Euro zusammen

Dafür haben die Bosse einen umfassenden Horrorkatalog aufgestellt: Zehn Prozent Entgeltkürzung, die Arbeitszeit soll ohne Lohnausgleich auf 40 Stunden pro Woche steigen; nur noch 27 Tage Urlaub; Urlaubs- und Weihnachtsgeld sollen drastisch sinken; keine Entgelterhöhungen in den kommenden zwei Jahren. Alle Entgeltgruppen und die Feiertagszuschläge sollen "vereinheitlicht" werden – dass dies nichts Gutes bedeutet, können sich in diesem Kontext alle denken. Gerüchte gehen um, das MDF- und Spanplattenwerk solle bald mit einem anderen Unternehmen fusionieren. Der Verdacht: Die Bosse wollen die Braut jetzt hübsch machen für einen Aktientausch und für ihre eigene Karriere. Ein hässlicher Gedanke, so hässlich wie die Absicht, wenn sie denn besteht, findet die Belegschaft.

 

"Bis heute ist uns die Geschäftsführung jede Antwort schuldig geblieben, warum sie diese Einschnitte in die Arbeits- und Entgeltbedingungen vornehmen will", kritisierte der IG Metall-Verhandlungsführer Markus Plagmann. Im 1. Quartal habe Glunz gut verdient. "Im Konzernverbund ist Beeskow der Standort mit den niedrigsten Lohnkosten und der höchsten Dividende", so Plagmann. Statt Kürzungen stünden den Beschäftigten hier endlich gleiche Entgelte wie im Westen zu. "Verhandeln Sie, hören Sie auf zu provozieren!", rief Plagmann Vertretern der Geschäftsführung zu, die den Warnstreik am Rande beobachteten.

 

"Wir lassen Glunz die Tarifflucht nicht durchgehen", sagte der Betriebsratsvorsitzende Andreas Kokolsky und hob nochmals hervor, was die Warnstreikenden auf Plakate und Transparente geschrieben hatten: "Wir wollen den Tarifvertrag zurück. Wir wehren uns mit allen Mitteln gegen Lohnklau. Dafür stehen wir hier."

 

 

 


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