Tarif/Holzindustrie/Politik - mit Berichterstattung

Klenk-Beschäftigte streiken weiter für ihr Recht auf einen Tarifvertrag

  • 09.06.2016
  • aw/md
  • Aktuelles, Tarif, Holz und Kunststoff

Die SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag hatte sie eingeladen: Fünf Beschäftigte des Sägewerks waren am Donnerstag bei Mike Bischoff (SPD). Zum Gespräch kam auch Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). „Wir freuen uns über die solidarische Unterstützung für unsere Sache“, sagte Oliver Wenske, Betriebsratsvorsitzender der Klenk Holz AG. „Es ist gut zu wissen, dass unser Ziel der Tarifbindung unterstützt wird.“

Klenk-Beschäftigte bei SPD-Fraktionschef Mike Bischoff (ganz rechts) im Brandenburger Landtag Foto: transitfoto.de/Polentz

Die Beschäftigten des Sägewerks der Klenk Holz AG in Baruth streiken unbefristet für einen Tarifvertrag. Seit 18. Mai führen sie einen Arbeitskampf, um die Geschäftsführung der Klenk Holz AG endlich zurück an den Verhandlungstisch zu holen. Zähe Verhandlungen, mehrere Warnstreiks und mehrtägige Streiks sind in den letzten Wochen vorausgegangen.

 

„Der Vorstand der Klenk Holz AG verweigert uns nach wie vor etwas ganz Grundsätzliches, nämlich den Abschluss eines Tarifvertrages“, so Tobias Kunzmann, Erster Bevollmächtigter IG Metall Ludwigsfelde. „Aber wir lassen uns nicht einfach hinhalten. Wir streiken weiter, denn wir sind entschlossen, unsere Rechte durchzusetzen. Es ist erfreulich, dass die Zusammenarbeit mit der Einsatzleitung der Polizei heute gut geklappt hat.“

 

Foulspiel von Klenk und Carlyle

„Die Verweigerung eines Tarifvertrages ist Foulspiel“ sagte Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin, Brandenburg und Sachsen. „Die Klenk AG – und im Hintergrund die US-amerikanische Carlyle Group – versuchen konsequent, sich dem Aushandlungsmechanismus für eine gerechte Verteilung des Wohlstands zwischen Lohneinkommen und Gewinnen zu entziehen. Die Beschäftigten, die Tarifbindung und damit gerechtere Arbeitsbedingungen einfordern, haben unsere volle Unterstützung.“

 

Tarifbindung: Der große Unterschied

Tarifbindung macht einen großen Unterschied für Belegschaften: Beschäftigte in Betrieben ohne Tarifvertrag verdienen im Durchschnitt 24 Prozent weniger als Ihre Kolleginnen und Kollegen in tarifgebundenen Unternehmen. Je nach Beschäftigung betragen die Unterschiede bis zu 32 Prozent, und auch der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern, das so genannte Gender Pay Gap, ist in nicht tarifgebundenen Betrieben deutlich höher.

 

Nicht zuletzt verschaffen sich tarifflüchtige Betriebe auch noch unfaire Vorteile zu Lasten der tarifgebundenen, verantwortungsvollen Arbeitgeber: In unmittelbarer Nähe des Standortes von Klenk z.B. befindet sich die Fabrik von Pfleiderer. Das Unternehmen, das zur gleichen Branche gehört, ist tarifgebunden und die Belegschaft erhält mehr Stundenlohn und bekommt Weihnachts- und Urlaubsgeld. Und selbst dies liegt deutlich unterhalb der Arbeitsbedingungen, die im Westen der Republik für Beschäftigte derselben Branche gelten.

 

„Wir fordern die Unternehmensleitung auf, ihre Blockadehaltung endlich aufzugeben. Wir sind nach wie vor zu konstruktiven Verhandlungen bereit“, sagt Tobias Kunzmann.

Einen Gesprächstermin gibt es nach wie vor nicht.

 

Klenk hält Belegschaft seit Monaten hin

1996 hatte das damalige Familienunternehmen Klenk das Unternehmen Arbor Holz in Baruth übernommen und einen Standort in Ostdeutschland aufgebaut. Das Unternehmen wurde 2013 von der Carlyle Group übernommen, einer weltweit agierenden Beteiligungsgesellschaft, die auch als Schattenbank tituliert wird. Nach der Übernahme gab es einen massiven Personalabbau am Firmensitz in Baden-Württemberg und weitere Sparmaßnahmen.

 

Den derzeit 315 Beschäftigten von Klenk in Baruth wird seit 18 Monaten ein Tarifvertrag verweigert. Für die gleiche Arbeit im Betrieb werden deutlich unterschiedliche Löhne gezahlt. Die Beschäftigten erhalten kein Weihnachts- und Urlaubsgeld. In Baruth wird 40 Stunden in der Woche gearbeitet.

 

Berichterstattung:

 

rbb-online.de

 

www.maz-online.de

 

rbb Brandenburg aktuell, 9. Juni, 19.30 Uhr

 


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