Nach 20 Jahren: Berliner Tischler-Azubis jetzt mit Tarifeinkommen

  • 25.06.2014
  • bg
  • Aktuelles, Holz und Kunststoff, Handwerk, Jugend/Azubis

IG Metall und die Tischlerinnung Berlin haben nach monatelangen Sondierungsgesprächen und letzten Verhandlungen am 28. Mai, jetzt den Weg zu einem neuen Tarifvertrag für die Auszubildenden frei gemacht und die Annahme des Tarifergebnisses beschlossen. Damit treten mit dem neuen Ausbildungsjahr im September 2014 neue tarifliche Regeln in Berlin in Kraft. Ein Meilenstein im Berliner Handwerk!

Danach erhalten die Auszubildenden künftig monatlich

  • im ersten Ausbildungsjahr 507 Euro,
  • im zweiten Ausbildungsjahr 628 Euro,
  • im dritten Ausbildungsjahr 770 Euro.

Keine krass unterschiedlichen Azubivergütungen mehr

Vorbei sind erstmal die Zeiten, in denen jeder Tischlermeister seinen Auszubildenden das zahlte, was er gerade wollte. In der Berufsschule wurde schnell klar, welcher Ausbildungsbetrieb gut und welcher schlecht zahlt. Empfehlungen ersetzen eben  keinen verbindlichen Tarifvertrag. Jetzt gibt es also wieder einen Tarifvertrag für das gesamte Berliner Tischlerhandwerk.

 

Für IG Metall-Mitglieder gemacht 

Zunächst gelten Tarifverträge nie oder selten allgemein für alle. Einen Rechtsanspruch auf die Einhaltung der Tarifbestimmungen haben deshalb nur Mitglieder der Gewerkschaft. Das ist auch gut so, denn wenn jeder alles bekäme, ohne das er dafür was tun müsste, dann wäre bald alles so wie die letzten 20 Jahre im Tischlerhandwerk: Es bewegt sich dann nichts. Nur wer in einer starken Gemeinschaft Mitglied ist - die IG Metall hat 2,3 Millionen Mitglieder und allein über 10.000 Jugendliche in Berlin-Brandenburg und Sachsen - der kann auch was bewegen!

 

Geselleneinkommen sind jetzt fällig 

Für die Auszubildende sind die Ausbildungs-Entgelte jetzt fest vereinbart. Ein gemeinsames, neues Tarifpaket ist nun auch für alle Beschäftigten in greifbare Nähe gerückt. Urlaub, Weihnachtsgeld, Arbeitszeit, Überstundenreglungen usw. müssen jetzt die nächsten Verhandlungen bringen. Billiger statt besser ist somit bald auch im Tischlerhandwerk Berlin vorüber. Denn bereits 2012 hat die IG Metall mit den Arbeitgebern für Ostdeutschland neue, moderne Entgelt- und Rahmenverträge ausgehandelt.

 

Tischlerhandwerk wieder normaler Tarifpartner?   

Für die IG Metall ist das ein wichtiger Schritt zur Normalisierung und Zivilisierung des Handwerks. Der letzte gültige Tarifvertrag für Tischler ist aus dem Jahr 1993, abgeschlossen mit der Gewerkschaft Holz und Kunststoff, die mit der IG Metall fusionierte. Natürlich haben sich die Einkommen seither von allein kaum nennenswert entwickelt. Oder welcher Arbeitgeber gleicht jedes Jahr die Inflationsrate aus und bezahlt freiwillig mehr?

 

Ohne Preis kein Fleiß! 

Im Vergleich zu Branchen, in denen gut organsierte Belegschaften ihre Tarifverträge jedes Jahr erneuern, sind die Tischler inzwischen schlecht bezahlt. Das wollen wir ändern, denn weder die Tischlergesellen noch die Auszubildenen haben das verdient. Gute Löhne sind auch eine Überlebensfrage für die Meister: Sie wissen genau, dass gut motivierter Nachwuchs auch gut bezahlt werden muss.

 

Für Markus Plagmann, IG Metall Bezirkssekretär und Verhandlungsführer, ist der Tarifabschluss "Ein gutes Ergebnis für das Tischlerhandwerk in Berlin." Das Tischlerhandwerk gehe damit einen ersten Schritt zu normalen Tarifverträgen. Der Tischlerberuf könne mit den jetzigen Ausbildungsvergütungen wieder für die Jungen attraktiv werden. Wichtig sei auch die Geselleneinkommen durch Tarife zu regeln. "Wir gehen davon aus, dass in Kürze auch für die Gesellen faire Verträge im Berliner Tischlerhandwerk zustande kommen“, sagte Plagmann.

 

Ausbildungssituation schwierig

Die Situation bei den Ausbildungsplätzen zeige zwar, dass sich das sehr gute Image des Tischler-/Schreinerberufes positiv auf die Branche auswirke. Dennoch bleibe das aktive Bemühen um qualifizierten Nachwuchs eine zentrale Aufgabe des Gewerkes. Letzlich müsse neben dem Image die Qualität der Ausbildung auch den modernen Anforderungen der jungen Generation gegenüber angepasst sein und die Bezahlung am Ende stimmen.

 

 

 

 

 

 

 


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