Textilkonflikt in Bangladesch

"An diesen T-Shirts klebt Blut"

  • 12.02.2017
  • igm/aw
  • Aktuelles

Die brutale Niederschlagung von Protesten der Textilarbeiter in Bangladesch will der internationale Gewerkschaftsdachverband IndustriAll Global nicht hinnehmen. Die Regierung in Dhaka soll mit dem Aberkennen der Zollfreiheit zur Freilassung der Inhaftierten gezwungen werden.

Fotos: IndustriAll Global Union

Als sich vergangenen Dezember in der Textilregion Ashulia Protest regte und viele Tausend Arbeiter für einen höheren Mindestlohn streikten, schlug die Regierung von Bangladesch unbarmherzig zurück. 26 Menschen sitzen seitdem in Haft. Gegen 600 Arbeiter und Gewerkschafter wurden Verfahren eröffnet, 1600 Arbeiter wurden gefeuert. Die Beschäftigten von 59 Fabriken wurden ausgesperrt. Alles Maßnahmen, um die Textilarbeiter und die Gewerkschaften einzuschüchtern.

Für einen Mindestlohn von umgerechnet 63 Euro im Monat schuften die Textilarbeiter von Bangladesch. Nach Protesten sitzen jetzt viele im Gefängnis oder sind entlassen worden.

Mit einer Online-Petition und einem Aufruf zu weltweiten Protesten appelliert der Gewerkschaftsdachverband IndustriAll Global, sich für die Freilassung der Verfolgten einzusetzen und alle Anschuldigungen gegen sie fallen zu lassen. "Die Unterdrückung der Gewerkschaften und Arbeiter in Bangladesch ist mehr als besorgniserregend", sagt IG Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb. "Regierung und Unternehmen missbrauchen die Textilstreiks zur Niederschlagung der Arbeiterbewegung in Bangladesch. Mehr noch, es ist ein eklatanter Verstoß gegen elementare Menschenrechte. Den Verbrauchern in Deutschland muss klar werden: An den billigen T-Shirts aus Bangladesch klebt das Blut der Arbeiterinnen. Die Textilen Handelskonzerne sind mitverantwortlich für die Zustände und müssen sich ihrer Verantwortung stellen."

Druck auf Dhaka


Die Löhne in der Textilindustrie von Bangladesch gehören zu den niedrigsten auf der ganzen Welt. Gleichzeitig ereignen sich dort immer wieder Unfälle mit vielen Toten und Verletzten wie beim Einsturz des Rana Plaza vor vier Jahren, als über 1100 Menschen umkamen. Mit ihrem unbarmherzigen Vorgehen gegen die Proteste im Dezember hat die Regierung von Bangladesch die Textilarbeiter massiv eingeschüchtert. Es wurden auch Gewerkschafter verhaftet, die gar nichts mit dem Streik zu tun hatten. Viele halten sich immer noch versteckt, weil sie ihre Verhaftung fürchten. Den Textilgewerkschaften vor Ort sind die Hände gebunden. Viele Gewerkschaftsbüros sind verwüstet, ausgeplündert und derzeit gar nicht funktionsfähig.

Valter Sanches, der Generalsekretär von IndustriAll Global Union appelliert nachdrücklich dafür, sich für die Freilassung der Inhaftierten einzusetzen. Die Notstandsgesetze des Landes erlauben es, jemand bis zu sechs Monate ohne Anklage festzuhalten. "Wir müssen jetzt handeln", erklärte Sanches. "Jeder Tag zählt. Die Niederschlagung elementarer Arbeitnehmerrechte ist unakzeptabel." IndustriAll Global werde weiter dafür kämpfen, die Gewerkschaftsrechte in Bangladesch wieder auf die Füße zu stellen, und werde Druck auf die Regierung in Dhaka ausüben.

Sanches forderte dazu auf, vor den ausländischen Botschaften Bangladeschs zu demonstrieren und Protestschreiben an die Regierung in Dhaka zu schicken. Sollte sich die Lage nicht auf dem Verhandlungsweg verbessern, könnte die Regierung in Dhaka durch Wirtschaftssanktionen zum Einlenken gezwungen werden. IndustriAll Global fordert von der EU eine Untersuchung der jüngsten Vorgänge und plädiert dafür, Bangladesch die Zollfreiheit bei Textilexporten in die EU abzuerkennen, solange die Rechte der Arbeiter mit Füßen getreten werden. Das würde die Wirtschaft des Landes, das zu 80 Prozent von der Textilexport abhängig ist, empfindlich treffen. Der Haupthandelspartner von Bangladesch ist die EU.

Mehr Informationen auf der Internetseite der IG Metall

 

 

 

 



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