Textilindustrie Ost

„Die Arbeitgeber in der Textilindustrie Ost sind in der sozialen Verantwortung!“

  • 13.04.2019
  • aw
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Rund 250 Metallerinnen und Metaller haben sich am Samstagmorgen, 13. April 2019, im Kongresszentrum in Chemnitz zum Tarif-Auftakt der Textilindustrie Ostdeutschlands versammelt. "Wir sind hier. Wir sind laut, weil ihr uns drei Stunden klaut", riefen die Kolleginnen und Kollegen vor Beginn des Tarifauftakts in Chemnitz. In den Tarifverhandlungen fordert die IG Metall 6 Prozent mehr Geld und die schrittweise Verkürzung der Arbeitszeit von 40 auf 37 Stunden – und damit die Angleichung an die Arbeitszeitregelung in Westdeutschland.

Tarif-Auftakt Textilindustrie Ost in Chemnitz _ Fotos: Norbert Neumann

Die Arbeitgeber lehnen die Forderungen ab. Auch bei der zweiten Verhandlung in Chemnitz beharrten sie auf ihrer Position: Beim Geld bieten sie 1,5 Prozent mehr in diesem Jahr und je ein Prozent mehr in den beiden Folgejahren an – was nicht einmal die Inflation ausgleichen und für die Beschäftigten einen Reallohnverlust bringen würde. Statt die Arbeitsbedingungen an den Westen anzugleichen, wie es die IG Metall fordert, würde der Unterschied zu Westdeutschland in den nächsten Jahren weiter anwachsen.

„Das Angebot der Arbeitgeber, die Arbeitszeit auf 38,5 Wochenstunden in drei Schritten zu reduzieren, ist ein Scheinangebot und eine Provokation, denn sie wollen im Gegenzug die für Schichtarbeitende unverzichtbare 20-minütige bezahlte Pause streichen. Die Beschäftigten in der Textilindustrie brauchen bessere Arbeitszeiten, nicht verschärfte“, sagte Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, in Chemnitz. „30 Jahre nach dem Mauerfall ist die Angleichung der Arbeitszeit längst überfällig. Aus dieser Verantwortung lassen wir die Arbeitgeber nicht raus. Kürzere Arbeitszeiten und gute Arbeitsbedingungen sind gerade auch für die jungen Beschäftigten ein wichtiges Argument, in der Textilindustrie zu arbeiten. Die Ablehnung der Arbeitgeber, die Auszubildenden nach der Ausbildung unbefristet zu übernehmen, ist kurzsichtig und verschärft die Nachwuchsprobleme.“

Die Forderung der IG Metall nach 6 Prozent mehr Geld ist die Forderung nach Beteiligung der Belegschaften an den wirtschaftlichen Erfolgen und dient der Verteilungsgerechtigkeit. „Wenn die ostdeutsche Textilindustrie im Facharbeiter-Entgelt pro Jahr noch einmal fast 800 Euro unter dem untersten westdeutschen Tarifniveau in der Textilbranche liegt, und die Arbeitgeber jetzt den Abstand vergrößern wollen, dann ist das nicht nur eine Missachtung der Leistungsbereitschaft der ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen, sondern bedeutet auf mittlere Sicht eine Gefährdung der Standorte und Arbeitsplätze“, so Höbel.

Ein Facharbeiter im Westen verdient jährlich im Schnitt zwischen 754 Euro und 2.300 Euro mehr im Jahr als im Osten, obwohl hier drei Stunden länger gearbeitet wird.

„Wir fordern die Arbeitgeber auf, ein deutlich verbessertes Angebot vorzulegen, statt mit Provokationen in der Friedenspflicht, den konstruktiven Weg zu verlassen“, sagte Olivier Höbel. „Die soziale Einheit muss auch für die Beschäftigten in der Textilindustrie gelten. Da lassen wir die Arbeitgeber nicht aus der Verantwortung!“

Die nächste Tarifverhandlung findet am Mittwoch, 17. April in Zwickau statt.  Ende April endet die Friedenspflicht. Ab Anfang Mai sind Warnstreiks möglich. In der ostdeutschen Textilindustrie arbeiten rund 16.000 Beschäftigte – 13.000 davon in Sachsen.