Automobilindustrie

Die Bänder laufen wieder

  • 27.04.2020
  • kk-aw
  • Aktuelles

Die ersten Produktionsbänder in der Automobilindustrie laufen wieder. Als erste Autofabrik in Deutschland hat Volkswagen das Werk in Zwickau in der vergangenen Woche wieder hochgefahren. Auch in der Gläsernen Manufaktur von VW in Dresden und VW-Motorenwerk in Chemnitz wird wieder gearbeitet. Betriebsamkeit herrscht auch wieder in den Komponentenwerken Daimler in Berlin und Ludwigsfelde. Die Betriebsräte haben in den vergangenen Wochen hart gearbeitet, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Kolleginnen und Kollegen in Betriebsvereinbarungen zu gewährleisten.

Montage mit Mundschutz: Die Produktion bei VW in Zwickau ist mit hohen Sicherheitsvorkehrungen für die Gesundheit der Beschäftigten wieder angelaufen. Foto: VW

Arbeiten in Corona-Zeiten bedarf besonderer Vorkehrungen. „Der Gesundheitsschutz der Beschäftigten hat höchste Priorität“, sagt Stefan Schaumburg, Bezirksleiter der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Um das zu gewährleisten, haben unsere Betriebsräte in den vergangenen Wochen mit den Geschäftsleitungen Betriebsvereinbarungen abgeschlossen, die die Arbeit an den Produktionsbändern und den Kontakt mit den Kolleginnen und Kollegen in den Werken möglich machen, ohne die Gesundheit zu gefährden.“

Schutzmaßnahmen bei VW
So hat sich der Betriebsrat von VW mit der Geschäftsleitung zum Beispiel auf ein breites Paket von mehr als 100 Schutzmaßnahmen geeinigt. Dazu gehören regelmäßiges Händewaschen, das Einhalten des Mindestabstands von 1,50 Meter oder das Tragen von Mundschutzmasken insbesondere in den Bereichen, in denen der Mindestabstand aufgrund von Arbeitsabläufen nicht einzuhalten ist. Die Bänder laufen langsamer als gewohnt, damit sich die Beschäftigten nicht zu nahekommen. Gearbeitet wird vorerst auch nur in einer Schicht, um den Rummel beim Schichtwechsel zu vermeiden.

Unter diesen Corona-Schutzbedingungen haben 1500 VW-Kolleginnen und Kollegen in Zwickau die seit dem 19. März stillstehende Arbeit am 23. April wiederaufgenommen, um das Elektroauto ID.3 zu bauen. Weitere 500 bauen seit dem 27. April in Zwickau am Golf Variant. „Viele der Kolleginnen und Kollegen sind froh, dass sie nach fünf Wochen Kurzarbeit, vier davon mit verschärften Ausgangsbeschränkungen, wieder zur Arbeit dürfen“, berichtet Jens Rothe, VW-Betriebsratschef in Zwickau. „Arbeit hat viel mit sozialen Kontakten zu tun, das hat den meisten in den letzten Wochen gefehlt.“

Seit dem 24. April ist auch das VW-Motorenwerk in Chemnitz wieder am Start. Die Gläserne Manufaktur in Dresden ist am 27. April wieder mit Leben gefüllt worden. 70 von etwa 400 Beschäftigten setzen dort die Montage des E-Golf in Betrieb.

Gesundheitsschutz bei Daimler
In den Komponentenwerken von Daimler in Berlin und Ludwigsfelde herrscht ebenfalls wieder Betriebsamkeit. „Wichtig war uns, dass nicht jeder Daimler-Standort sich alleine auf den Weg macht und einzelne Dinge umsetzt, sondern wir eine gemeinsame Strategie für die Zeit entwickeln, in der wir mit verminderter Produktion arbeiten“, berichtet Andreas Krause, seit 30 Jahren Betriebsrat am Daimler-Standort in Berlin.
Die Maßnahmen, die Krause und sein Team dann am Standort Berlin umgesetzt haben, folgen der Logik, dass technische und organisatorische Lösungen personenbezogenen Schutzmaßnahmen vorgezogen werden. Von diesen wurden eine ganze Reihe aufgestellt und umgesetzt: So ist zum Beispiel jedes zweite Drehkreuz, jede zweite Eingangstür zum Werk geschlossen, damit ein Abstand von zwei Metern gewahrt werden kann. Die Kolleginnen und Kollegen müssen derzeit nicht für die Zeiterfassung an einem Terminal stempeln, um möglichst wenig mit anderen Beschäftigten in direkten Kontakt zu kommen. Dazu hat der Arbeitgeber genug Desinfektionsmittel, Seife und Handcremes besorgt. Schichtübergaben wurden gestrichen, die einzelnen Teams begegnen sich nicht. Für Aufenthaltsräume gelten strikte Höchstbelegungszahlen. Die Werkskantine hat zwar geöffnet, allerdings gibt es dort nur eingepackte Speisen zum Abholen. Pausen finden versetzt statt, allenfalls können kleine Gruppen gemeinsam, und natürlich mit dem nötigen Sicherheitsabstand, Pause machen.

Porsche in Leipzig
Ab 4. Mai sollen auch im Porsche Werk in Leipzig wieder Autos produziert werden. Porsche hatte die Produktion wegen der Corona-Krise am 21. März gestoppt. In der kommenden Woche stehen die Bänder also in der sechsten Woche still. Porsche hat den Produktionsstopp bisher Woche für Woche verlängert. Als Grund für die neuerliche Verschiebung um eine Woche nannte der Sprecher weiterhin Engpässe bei den Zulieferern, „die einen geordneten Wiederanlauf der Produktion noch nicht zulassen“. In beiden Werken würden allerdings Maßnahmen getroffen, um die Produktion dann wieder anlaufen lassen zu können.

BMW Berlin und Leipzig
BMW will vom 11. Mai an in Deutschland wieder Autos bauen, nach zwei Monaten Stillstand. Das Motorradwerk in Berlin soll schon vom 4. Mai an schrittweise wieder hochfahren, wie der Konzern mitteilte. „Frühestens am 18. Mai“ sollen dann das Werk in Leipzig wieder Fahrzeuge produzieren.

 


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