Infinera Berlin - Autokorso vor der US-Botschaft

Infinera: Sehr viel Kraft und Zuversicht

  • 11.02.2019
  • igm-b
  • Aktuelles, Metall-/Elektro

Mit einem Autokorso aus knapp 170 Fahrzeugen setzten die Beschäftigten von Infinera ein kämpferisches Zeichen in Richtung Arbeitgeber. Der will Patente abzocken. Deutsche Datensicherheit und Beschäftigte sind den Eigentümern aus Kalifornien egal. Vor der US-Botschaft gab es dann noch eine Botschaft – für Werk, für Solidarität und gegen Mauern.

Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Die IG Metall-Trommler heizten den Zuhörern und Zuhörerinnen vor der US-Botschaft kräftig ein. Sie waren in der US-amerikanischen Vertretung sicherlich gut zu hören. Am Morgen waren die Beschäftigten vor ihrem Werk aufgebrochen. Am Ende reihten sich 167 Fahrzeuge in den Autokorso ein. Begleitet von Polizeifahrzeugen schwenkten die Insassen IG Metall-Fahnen, hupten und erfuhren von den Menschen an der Seite viel Zuspruch und Solidarität. Dann stellten sie ihre Autos vor der Botschaft ab.

„Wir stehen hier in der Nähe des Brandenburger Tores an einem historischen Ort. Hier haben wir 1989 die Mauer eingerissen. Infinera aber will wieder eine Mauer zwischen uns und unseren Arbeitsplätzen errichten. Wir aber stehen zu unserem Werk und wollen keine Mauern mehr“, sagte Jörg Wichert, Betriebsratsvorsitzender bei Infinera in Berlin. Auch die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin wählte einen historischen Bezug, als sie die Beschäftigten direkt ansprach: „Euer Wissen und die Sicherheit der Produktion spielen bei der geplanten Schließung für die Eigentümer überhaupt keine Rolle. America First zeigt uns damit ein weiteres Mal seine hässliche Fratze.“

Die Beschäftigten nehmen viel Kraft aus ihrer Aktion mit ins Werk zurück. „Der Autokorso bestätigt, was auch schon die Betriebsversammlung gezeigt hat. Da habe ich schon in den Gesichtern so viel Entschlossenheit und Kraft gesehen“, sagt der ITler und Metaller Christian Jügel. Auch der Zuspruch aus der Politik erleben Beschäftigte und Betriebsrat als unterstützend. Das gilt umso mehr für die Solidarität aus den anderen Betrieben. „Sie schildern uns, wie sie selbst auf Schließungspläne reagiert, welche Strategien sie erfolgreich umgesetzt haben und zeigen uns damit weitere Wege auf, wie wir uns für Beschäftigte, Arbeitsplätze und Werk engagieren können“, sagt Betriebsrat Eddie Kruppa.

Darum geht es: Vor nicht einmal fünf Monaten hat Infinera das Berliner Werk von Coriant aufgekauft. Man wolle Werk und Beschäftigte integrieren, hieß es damals. Am Ende soll es nur darum gehen, das Know-how abzusaugen. Um dann die Beschäftigten achtlos auszuspucken.
Wer so mit seinen Beschäftigten umgeht, der stellt in der Regel auch Sicherheitsaspekte für den Profit zurück. Die aber sind für Deutschland wichtig. Immerhin gehört der Berliner Standort zu einem der wenigen deutschen Werke, an denen die Beschäftigten 5G-fähige optische Netzwerklösungen herstellen, die eine Datenübertragung in Echtzeit bei gleichzeitig höchster Sicherheit bieten. In Berlin produzieren sie für diese Datenautobahnen die Hardware.

Leistungsfähige, schnelle und sichere Netze sind die Voraussetzung für Industrie 4.0 und eine funktionierende Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Ob Stromversorgung, Telekommunikation, autonomes Fahren oder die interne Kommunikation in Militär und Behörden, sie alle müssen schnell kommunizieren und sich darauf verlassen können, dass ihre Informationen sicher sind.


Dass das Berliner Werk einfach dicht gemacht werden soll, beunruhigt auch die Politik. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz war ans Brandenburger Tor gekommen. Die Bundestagsabgeordneten Kai Wegner (CDU) und Pascal Meiser (Die Linke) hatten sich wie Swen Schulz bereits bei der ersten Protestaktion mit den Beschäftigten solidarisiert und ihre Hilfe angeboten. Nun sind Bundeskanzleramt und die Ministerien Wirtschaft, Verteidigung und Arbeit gefordert, denn bei Infinera geht es um 400 Arbeitsplätze und noch um viel mehr.

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