Metall- und Elektroindustrie

Trommelwirbel für die Acht - Arbeitgeber stellen sich taub

  • 06.10.2022
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  • Aktuelles, Tarif, Metall-/Elektro

Mit einem kräftigen Trommelwirbel machten die Metallerinnen und Metaller ordentlich Lärm vor der zweiten Verhandlungsrunde für Berlin und Brandenburg. Die Botschaft vorm Verhandlungsort im Haus der Wirtschaft in Berlin war nicht zu überhören. Nur die Arbeitgeber stellten sich taub: Erneut legten sie kein Angebot für eine Lohnerhöhung vor. Unsere Erwartung wird zur Gewissheit: Diese Tarifrunde steht vor einer Eskalation.

Machten Stimmung vor der Verhandlung: Metallerinnen und Metaller bei der Aktion in Berlin vorm Haus der Wirtschaft. (Bilder: C.v.Polentz/IGM)

Zwischendurch war auch kurz Zeit für ein Geburtstags-Ständchen.

Irene Schulz.

Fevzi Sikar.

„Kein Angebot, keine Annäherung, kein Fortschritt – das ist das ernüchternde Ergebnis von zwei Verhandlungsrunden“, erklärte Irene Schulz, Bezirksleiterin IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Noch immer stehen die Arbeitgeber mit leeren Händen da. Die Löhne können aber nicht stagnieren, wenn die Preise hochschnellen wie seit 70 Jahren nicht. Wer das glaubt, folgt einer absurden Vorstellung. Ich fordere die Arbeitgeber noch einmal nachdrücklich auf, Verantwortung zu übernehmen für ihre Beschäftigten in dieser schweren Zeit.“

Schaut Euch auch im Video an, wie Irene Schulz, Thomas Rackwitz und Fevzi Sikar das Nicht-Angebot kommentieren.

Die IG Metall-Verhandlungsführerin betonte: „Die Arbeitgeber müssen jetzt den Fuß von der Bremse nehmen. Bei diesen extremen Preissteigerungen können sie sich nicht aus der Verantwortung für ihre Beschäftigten stehlen. Ohne ein konstruktives Angebot für deutliche Lohnerhöhungen machen Verhandlungen keinen Sinn. "Die Stimmung in den Betrieben brodelt."

Dies bekräftigten auch die Rednerinnen und Redner auf der Aktion vor Verhandlungsbeginn. "Wir wollen die Kohle. Wir wollen die acht Prozent", betonte Fevzi Sikar, Betriebsratsvorsitzender im Mercedes Benz-Werk in Marienfelde. "Und wenn die Arbeitgeber Streik wollen - wir sind bereit." Sandro Hoffmann, Betriebsratsvorsitzender bei ZF Getriebe in Brandenburg, erklärte: "Das Interesse an dieser Tarifrunde ist enorm hoch. Die Preise steigen nicht nur im Supermarkt, sondern auch bei allen Rechnungen, die jetzt bei den Kolleginnen und Kollegen zu Hause einflattern." Auch Dirk Wüstenberg, Betriebsratsvorsitzender bei Otis ES, warnte die Arbeitgeber davor, die Erwartung der Beschäftigten zu unterschätzen: "Die Politik hat geliefert mit den Entlastungspaketen. Die Arbeitnehmer liefern und leisten permanent Überstunden. Jetzt sind die Arbeitgeber dran." Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin, sprach vor der Verhandlung von der "letzten Chance" der Arbeitgeber auf eine friedliche Lösung. Und er stellte klar: "Wir sind alle heiß".

In Sachsen steht die zweite Runde am 14. Oktober an. Mit dem 28. Oktober endet bundesweit die Friedenspflicht. Vom 29. Oktober an sind Warnstreiks möglich. Die Zeit drängt jetzt für die Arbeitgeber, wenn sie eine Zuspitzung  des Konflikts vermeiden wollen. Bisher haben sie nicht erkennen lassen, dass sie Interesse an einer friedlichen Einigung hätten. Stattdessen gefallen sie sich vor allem darin, mit völlig überzogenen Untergangsszenarien Angst und Schrecken zu verbeiten. 

Dazu stellte Irene Schulz klar: "Die wirtschaftliche Lage ist schwierig, aber insgesamt stabil. In den allermeisten Betrieben läuft es weiterhin gut. Die Milliarden-Dividenden zeigen, dass es etwas zu verteilen gibt in diesem Land. Die Beschäftigten verlangen ihren gerechten Anteil daran. Seit 2018 sind die Monatsentgelte in der Metall- und Elektroindustrie nicht gestiegen. Die Abschlüsse in der jüngeren Vergangenheit waren geprägt von Corona-Krise, von Lieferketten-Problemen und der Transformation in der Industrie. Jetzt sind die Beschäftigten dran. Diesmal muss die Kaufkraft der Kolleginnen und Kollegen durch eine tabellenwirksame Erhöhung der Monatsentgelte und Ausbildungsvergütungen gestärkt werden.“

Wir haben uns frühzeitg auf eine heiße Tarifauseinandersetzung eingestellt. Es wird immer deutlicher, dass dies die richtige Strategie war.

 

 


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