Industriepolitik

Wandel der Industrie gestalten: Gute Arbeit ist der Schlüssel dafür

  • 05.07.2018
  • md
  • Aktuelles

Datenbrillen, Cyber-Systeme und künstliche Intelligenz – den Wandel in der Industrie hält niemand auf. Es kommt darauf an, ihn mitzugestalten. Bei einem industriepolitischen Gespräch der IG Metall diskutierten am Donnerstag in Dresden rund 50 Betriebsräte und Gewerkschafter aus Sachsen mit dem Minister für Wirtschaft und Arbeit, Martin Dulig (SPD), dem IG Metall-Vorstandsmitglied Wolfgang Lemb und dem Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, Olivier Höbel.

Olivier Höbel: Gute Arbeit ist gut für die Gestaltung der neuen Arbeitswelt Foto: IG Metall

Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall (links) und Martin Dulig, Minister für Wirtschaft und Arbeit in Sachsen Foto: IG Metall

Betriebsräte im industriepolitischen Gespräch Foto: IG Metall

Aufmerksamkeit für neue Arbeitswelt Foto: IG Metall

Podiumsdiskussion mit Betriebsräten: Wir haben nicht alle Antworten, aber Digitalisierung ist ein Hauptthema bei vielen von uns Foto: IG Metall

Welche Perspektiven eröffnet die Digitalisierung der Produktion für die Beschäftigten in der sächsischen Wirtschaft? Was muss eine moderne Industriepolitik leisten? Wie schützen wir die Daten der Beschäftigten,  die im Zuge von Steuerungs- und Überwachungssystemen erhoben werden?

 

 „Moderne Industrieentwicklung muss einhergehen mit einer erweiterten Beteiligung der Beschäftigten. Die Voraussetzung dafür ist Tarifbindung und eine gut funktionierende Mitbestimmung“, sagte Olivier Höbel,  Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Tarifverträge sind ein unverzichtbares Regelwerk, um leistungs- und qualifikationsorientiert entlohnen zu können. Tarifverträge und Tarifbindung sind ein wichtiger Ordnungsrahmen. Werden mit Tarifverträgen gerechte Löhne gezahlt, orientiert sich der Wettbewerb der Unternehmen auf Innovation und Qualität, anstatt sich mit Dumpinglöhnen unsoziale Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.“ Neue Produktionsmethoden würden von den Belegschaften nur aufgenommen und akzeptiert, wenn diese bei der Einführung und Weiterentwicklung einbezogen würden, so Höbel.

 

Sächsische Produkte seien weltweit wegen ihrer hohen Qualität gefragt, und nicht, weil sie billig wären. Voraussetzung für qualitativ hochwertige Produkte sind qualifizierte Beschäftigte. Gute Arbeit, Mitbestimmung und tariflich abgesicherte Entgelte sind für die Motivation qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unverzichtbar, sagte Höbel.

 

"Sachsens Wirtschaft geht es gut", sagte der Minister für Wirtschaft und Arbeit, Martin Dulig (SPD). Der Freistaat habe derzeit die niedrigste Arbeitslosenzahl seit der Wiedervereinigung, eine gute Auftragslage und innovative Unternehmen. Innovationen seien Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. "Damit dies so bleibt, brauchen wir faire Löhne, wertschätzende Unternehmensführung, Aufstiegs- und Weiterbildungschancen sowie persönliche Entfaltungsmöglichkeiten im Unternehmen. Nur gute Bedingungen in den Unternehmen garantieren gute Fachkräfte und damit gute Betriebsergebnisse, so Dulig. In diesem Zusammenhang hielt Dulig ein leidenschaftliches Plädoyer für die soziale Marktwirtschaft. "Sozialpartnerschaft muss der Normalfall in Sachsen werden", sagte Dulig. 

 

Der Freistaat Sachsen unterstützt die heimische Industrie mit seiner Technologie- und Investitionsförderung. „Die Landesregierung hat die Fördersätze an Kriterien 'Guter Arbeit' geknüpft, zu denen auch Tarifbindung gehört. Das ist gut und wichtig, reicht aber nicht aus.  Ziel muss sein, die Tarifbindung in Sachsen von derzeit rund 30 Prozent deutlich zu erhöhen“, sagte Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

 

Unternehmen, die mit Steuern gefördert werden, müssten nach Tarif bezahlen, ausbilden und dürften Leiharbeit nicht missbrauchen, forderten Olivier Höbel und Wolfgang Lemb während des industriepolitischen Gesprächs in Dresden.

 

Betriebsräte: Wir haben die Digitalisierung im Blick

"Wir haben nicht alle Antworten, aber wir haben die Herausforderungen der aktuellen und kommenden Digitalisierung im Blick", machten die Betriebsräte säschsischer Betriebe in einer Podiumsdiskussion deutlich. Christoph Scholze von Siemens Turbinenbau Görlitz und René Utoff vom Volkswagen-Motorenwerk beschrieben, wie sie den Umbruch in ihren jeweiligen Unternehmen begleiten und dabei auch Expertem "von außen" einbeziehen. Siemens Görlitz hat erfolgreich gegen eine Schließung des Werks gekämpft. IG Metall und Betriebsrat hatten für diesen innovativen Standort des Konzerns ein Konzept erarbeitet, das weitgehend die gewinnbringende Fortführung der Produktion ermöglicht. Der bevorstehende Umbruch im Motorenwerk von Volkswagen Sachsen, den der Übergang vom Verbrennungs- zum Elektromotor bringt,  verursacht in Chemnitz keine Panik, sagte René Utoff. Denn die Betriebsräte begleiten den Prozess, sind immer dicht bei den Kolleginnen und Kollegen, vertiefen sich in die neuen Produktionsanforderungen und melden stetig den (Mit)-Gestaltungsanspruch der Beschäftigten an.


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