Arbeitszeit und Leistung auf dem Prüfstand

  • 29.05.2013
  • bg
  • Aktuelles, Tarif, Gruppen, Betrieb

Arbeit muss ein gesundes Maß und die Leistung Grenzen haben. Für Arbeitszeit und Privatleben ist wieder eine vernünftige Balance zu finden, die den persönlichen Bedürfnissen entgegen kommt. Mit diesen Anforderungen an Arbeit, Arbeitszeit, Leistung und der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben setzten sich in einer Fachtagung rund 60 Betriebsräte und Experten auseinander. Die IG Metall will einen Kurswechsel für Gute Arbeit - sicher und fair! Damit beginnt die IG Metall im Bezirk BBS die Arbeitszeit- und Leistungspolitik in den Betrieben auf den Prüfstand zu stellen.

Olivier Höbel

Fachtagung Arbeitszeit- und Leistungspolitik

Dr. Steffen Lehndorff (IAQ)
Gut besuchter Saal
Betriebsratsdiskussion
Hans-Jürgen Urban
Klaus Helmerichs

IG Metall Bezirksleiter Olivier Höbel startete die Initiative des Bezirks mit seiner Eröffung der Tagung, indem er innovative Arbeitskonzepte einforderte, die sich an den heutigen Bedingungen und Erwartungen der Beschäftigten messen lassen müsse. Nur mit verbindlichen Regeln, die in Tarifverträgen verankert sind,  ließen sich gute Lösungen finden, die Belastungen ausgleichen und die Arbeitskraft gesund hielten.

 

Für Steffen Lehndorff vom Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) stehe und falle die tatsächliche Arbeitszeit mit der betrieblichen Verankerung durch Betriebsräte und Vertrauensleute. Was also im Betrieb nicht umgesetzt werde, ließe sich nicht durch Tarifverträge besser regulieren. Letztlich gehe es gerade bei der Arbeitszeit um Mitentscheidung auf Augenhöhe. Dazu bedarf es allenthalben auch Durchsetzungsstärke. 

 

Lohn und Arbeitszeit

Immer mehr Menschen arbeiten für so wenige Lohn, dass diese in erster Linie nach einem auskömmlichen Einkommen streben und die dafür erforderliche - oftmals längere -  Arbeitszeit hinten anstellen. Zudem seien strukturelle Änderungen in den Betrieben, mit zunehmender Angestelltentätigkeit häufig ein Einfallstor für längere Arbeitszeiten. Ausgelöst durch Übertragung von mehr Verantwortung und Arbeit ohne das erforderliche Personal aufzustocken wird die individuelle Arbeitszeit verlängert, um das Pensum zu schaffen.

 

Arbeitszeitpolitik führt Frauen in die Altersarmut

Eine weitere Beobachtung galt der Arbeitszeit während des Lebensverlaufs. Sehr deutlich verändere sich hierbei in Ostdeutschlnd die Arbeitszeit - vor allem der Frauen - hin zu der rückständigen Praxis in Westdeutschland. Das heißt gerade für Frauen programmierte Altersarmut. 

 

Interessenvertretung weiß wo der Schuh drückt 

Über den Einstieg in die erste Phase des Berufslebens berichtete Sascha Hahn, JAV von VW Zwickau und Jenny Reßler, JAV von Mercedes Benz in Ludwigsfelde. Zum Thema "Rush-Hour of life" berichteten Olaf Bolduan, BRV vom Siemens Dynamowerk sowie René Utoff, BRV von VW in Chemnitz und Holger Wachsmann, BRV bei ArcelorMittal in Eisenhüttenstadt und Knut Lofski, BRV bei Porsche in Leipzig. Über lebenslanges Lernen und wo die Zeit für Weiterbildung bleibt, berichtete Dr. Klaus Heimann, aus der Abteilung beruflichen Bildung beim Vorstand.
 

Rente mit 67 - staatlich verordnete Altersarmut

IG Metall Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban skizzierte am Nachmittag den Umbruch nach der Wirtschaftskrise, indem eine weitere Deregulierung und Schwächung des Tarifsystems zu Lasten bestehender Arbeitszeitmodelle durchgesetzt werden soll. Der Schwerpunkt seiner Betrachtung lag auf dem größten sozialpolitischen Unfug, der Rente mit 67 und dazu vernünftigen Alternativen. Grundsätzlich müsse der Renteneintritt mit 65 Jahren gelten und zusätzlich einen flexiblen Ausstieg ermöglichen. Altersteilzeitmodelle müssen wieder reaktiviert werden. Letztlich sei eine Absenkung des Rentenniveaus, wie geplant auf 42 Prozent, staatlich verordnete Altersarmut, die die Bürger und Kommunen teuer zu stehen käme.

 

IG Metall im Bezirk auf Kurswechsel eingestellt

Erste aktuelle Ergebnisse unserer Beschäftigtenbefragung liefern wichtige Erkenntnisse was die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bewegt. Diese Ergebnisse sind wichtige Forderungen an die Regierung und die Oppositionsparteien, aber auch und vor allem an die Arbeitgeber. Topthema ist das Renteneintrittsalter, die Rentenhöhe und Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Berufsleben, sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und der Leistungsdruck mit seinen Belastungen. 

 

Wir werden die Themen in unser Arbeitsprogramm fest verankern, denn unsere Mitglieder brauchen Sicherheit und Klarheit: Rund ein Drittel der Befragten sagt, dass sie kein ausreichendes und verlässliches Einkommen haben und fast jeder zweite macht sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz. Ebenso häufig wird eingeschätzt, das die gesetzliche Rente später nicht ausreicht. Nur mit einer geregelten festen Arbeitszeit könne das Privatleben am besten organisiert werden, sagten ebenfalls knapp die Hälfte der Befragten. Wenn flexible Arbeitszeit, dann auch nach den eigenen Wünschen und nicht nur nach denen des Arbeitgebers.

 

Für regulierte und begrenzte Arbeitszeiten, sowie für eine Leistungsbegrenzung, können wir mit Tarifverträgen die Flanken sichern.  


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