Delegiertenversammlung Oranienburg

Nicht die Laufschuhe an den Nagel hängen

  • 27.07.2015
  • ib
  • AGA

Die Sonne, einst und heute ein Symbol, mit dem der Kampf um die 35-Stundenwoche verbunden ist, ließ sich freundlicherweise auch am 21. Mai 2015 blicken, als die Ortsvorstände und Delegierten beider Verwaltungsstellen sich im Nauener Steakhaus "Casa Toro Negro" versammelten. Auf der Tagesordnung stand die Nachwahl eines Beisitzers und einer Beisitzerin. In der Delegiertenversammlung, in der vor allem die ehrenamtliche Seniorenarbeit beider Verwaltungsstellen im Mittelpunkt stand, wurde einmal mehr das Engagement der aktiven Seniorinnen und Senioren deutlich. Ein Umstand, der vor dem Hintergrund statistischer Zahlen zum vermehrten Übergang der Beschäftigten in den Ruhestand, heute mehr denn je an Bedeutung gewinnt.

In diesem Zusammenhang ist es naheliegend, dass Kolleginnen und Kollegen, die eine Funktion als Betriebsrat oder Vertrauensmann inne haben und damit größere Erfahrungen besitzen, nach ihrem Ausscheiden die Laufschuhe für die Gewerkschaft nicht an den Nagel hängen, sondern sich noch in der ein oder anderen Form für eine ehrenamtliche Seniorenarbeit engagieren.

Der generelle Austritt eines Mitgliedes, das in Ruhestand geht, ist kontraproduktiv, ist oftmals ein voreiliger Entschluss mit der Begründung: "Was habe ich denn jetzt noch von der Gewerkschaft?" "Möglicherweise eine bessere Rente", könnte eine der Antworten lauten, denn für Lohnerhöhungen macht sich die Gewerkschaft mit einer erfolgreichen Tarifpolitik stark - und die Stärke der Gewerkschaft ist die Zahl ihrer Mitglieder. "Alles richtig, - aber mein Austritt macht den Kohl nicht weniger fett", lautet - in Abwandlung einer Redensart - nicht selten die Antwort. Nun, wenn alle so denken, wird in der aus zu löffelnden Suppe bald gar kein Fettauge mehr schwimmen.

Die Senioren aus Potsdam und Oranienburg, die eine gute Kooperationsarbeit verbindet, informierten durch Video und Vortrag über die Vielfalt ihrer Aktivitäten, ihres ehrenamtlichen Engagements, das beispielsweise für den Sprecher des Oranienburger Arbeitskreises nun schon fast 25 Jahre andauert. Es folgte eine emotionsgeladene Diskussion, die sich, für engagierte Senioren nicht unüblich, bald auch zu anderen Themen breit machte. Auch mit Allgemein-Formeln, wie: "die da in Frankfurt müssten und sollten mal...!" So allerdings sind Dinge, die uns unter die Nägel brennen nicht aus der Welt zu schaffen. Zu erwarten, dass sie in Frankfurt die Unzufriedenheit einzelner wahrnehmen und gleich morgen Abhilfe schaffen, ist abwegig wie die Tatsache, dass sich nach einem Gebet nicht automatisch Wünsche erfüllen. Da bedarf es der Aktionen der Basis. Und hier kommt eine von den Arbeitskreisen aus dem Norden in die Welt propagierte Kampagne mit der Bezeichnung "Aufstand der Senioren" ins Spiel, die bundesweit organisiert, Politiker auffordert, sich endlich für eine Stabilisierung des Renten-Niveaus, für Verhinderung der uns bedrohenden Altersarmut einzusetzen. Nicht mit leeren Worten und Hinhalte-Parolen ist es getan, da müssen Taten folgen und die nicht erst am Sankt-Nimmerleins-Tag.

Dazu wurden Informationsstände in Hennigsdorf, Oranienburg und Potsdam installiert sowie Listen im Umlauf gebracht. Viele Bürger haben sich eingetragen, um Druck zu machen. Denn Politiker, die nichts gegen systematische Altersarmut unternehmen, sind für uns nicht wählbar.

Manfred Ende