Bombardier - mit Berichterstattung

Ruf aus Görlitz: "Zukunft gibt's nur mit uns" – 3 000 forderten Erhalt des Waggonbaus

  • 04.03.2017
  • md/aw
  • Aktuelles, Metall-/Elektro, Bombardier

Bombardier Görlitz in Gefahr, und mehr als 3000 kamen auf den Marienplatz: Die drohende Arbeitsplatz-Vernichtung beim größten Arbeitgeber bringt die Neißestadt in heftige Bewegung – Kolleginnen und Kollegen von Bombardier Bautzen, Mannheim und Frankfurt/Main, aus Görlitzer Betrieben sowie zahlreiche Bürger der Stadt bekundeten gemeinsam mit den Waggonbauern: "Wir stehen zusammen".

Emotional und engagiert: Schon beim Start vor dem Bombardier-Werk waren über 2000 Menschen dabei Foto: IG Metall

Foto: IG Metall

Foto: IG Metall

Foto: IG Metall

Foto: IG Metall

Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Foto: Pawel Sosnowski

Demo statt Samstags-Einkauf: So viele Menschen auf einmal hatte der Marienplatz das letzte Mal 1990 gesehen. Da verteidigten sie ihren Waggonbau zum ersten Mal. Zur Demonstration vom Bombardier-Werktor zur Kundgebung im Görlitzer Zentrum  hatten viele gleich die ganze Familie mitgebracht. Ihre Zukunftssorge: Bombardier will 1 430 Arbeitsplätze vernichten, vor allem in Ostdeutschland, und hier vor allem in Görlitz. Aber Genaues ist seit Monaten nicht zu erfahren, als würde der Konzern im Tiefschlaf liegen. Oder auf Zeit spielen, wie Insider vermuten.

 

„Wir setzen heute ein deutliches Zeichen für den Erhalt des traditionsreichen Waggonbaus und der Arbeitsplätze in Ostsachsen – dafür zeigen wir heute gemeinsam Stärke", sagte der Geschäftsführer der IG Metall Ostsachsen, Jan Otto. "Hier kehrt keine Ruhe mehr ein, bis wir den Waggonbau-Standort Görlitz gerettet haben – egal unter welchem Namen", kündigte Otto an.

 

"Arbeitsplätze sind unsere Existenz, und Arbeitsplätze im Waggonbau sichern weitere Jobs bei den Zulieferern", unterstrich der Görlitzer Bombardier-Betriebsratsvorsitzende Rene Straube. Aus dem Euro-Betriebsrat berichtete er, die Probleme des Missmanagements seien an allen Standorten gleich. "Der Kahlschlag kommt nur zu einem anderen Zeitpunkt", so die Meinung der anderen Euro-Betriebsräte. Die Schienenfahrzeugsparte müsse bluten für die lahmende Flugzeugproduktion bei Bombardier, kritisierte Straube.

 

"Nach wie vor sind Arbeitsplätze und Standorte von Bombardier gerade in Ostdeutschland bedroht", sagte Olivier Höbel. Die Beschäftigten setzten dieser massiven Gefährdung ihrer Existenz entschlossenen Widerstand und Protest entgegen. Die IG Metall fordert,  anstelle verfehlter Unternehmenspolitik der vergangenen Jahre jetzt durch alternative Konzepte für bessere Produktivität, mehr Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung zukunftsfähig zu werden. "Dazu hat die IG Metall gemeinsam mit den Betriebsräten eigene Vorschläge entwickelt", unterstrich Höbel.
 
Mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums und der Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg sei es gelungen, die Überprüfung der gegenwärtigen Planungen und die Erarbeitung von belastbaren beschäftigungssichernden Alternativen durchzusetzen, so Höbel. Die machtvolle und emotionale Demonstration in Görlitz sende ein deutliches Signal aus: "Eine positive Entwicklung der Standorte wird es nur mit den Beschäftigten und nicht gegen sie geben", sagte Höbel und unterstrich: "Wir fordern soziale Innovation, eine intelligente Personalpolitik und einen echten Dialog, in dem uns nicht erneut irgendwelche Abbaupläne erklärt werden."

 

Der Görlitzer Oberbürgermeister Siegfried Deinege kritisierte die mangelnde soziale Verantwortung des Konzerns. "Die spielen auf Zeit", sagte er und mahnte die IG Metaller, sich nicht länger hinhalten zu lassen. "Agieren statt Reagieren ist jetzt angesagt. Tut was, solange noch Kraft im Unternehmen ist, so lange noch große und wichtige Aufträge abgearbeitet werden müssen. Danach ist alles nur noch Polemik."

 

Weitere Informationen: 

 

www.igmetall-ostsachsen.de

 

Facebook

 

www.soli-waggonbau.de

 

Berichterstattung: 

 

MDR Fernsehen 4. März 2017

 

Radio Lausitz am 4. März 2017

 

Radio Lausitz am 5. März 2017

 

Sächsische Zeitung online 5. März 2017

 

Sächsische Zeitung online 5- März 2017 - Kommentar