Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie

„Von Berlin muss ein Signal ausgehen: Wir sind eins – auch bei den Arbeitsbedingungen!“

  • 26.04.2021
  • tt
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Mit voller Wucht ist die Warnstreikwelle an historischer Stelle in die neue Woche gerollt. „Von Berlin muss ein Signal ausgehen. Wir sind eins, in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt“, rief Michael Müller den Beschäftigten aus Berlin und Brandenburg am 26. April zu, die sich zur Kundgebung an der Oberbaumbrücke in Berlin versammelt hatten. Der Regierende Bürgermeister von Berlin versicherte den Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie seine Unterstützung für die Forderung zur Angleichung Ost.

„Wir stehen an Eurer Seite", versicherte Michael Müller, Berlins Regierender Bürgermeister, den Beschäftigten der Metall- und Elektrondustrie an historischer Stelle. Er war eigens zur Kundgebung an der Oberbaumbrücke in Berlin gekommen. Foto: IG Metall

Die Oberbaumbrücke ist ein Symbol für das seit mehr als 30 Jahren wiedervereinigte Berlin. Doch bei den Arbeitsbedingungen trennt das Wahrzeichen die Stadt nach wie vor in Ost und West.

Gleiche Arbeitsbedingungen für beide Seiten der Spree forderte Michael Müller.

Bezirksleiterin Birgit Dietze forderte die Arbeitgeber einmal mehr auf, endlich in konstruktive Verhandlungen einzutreten, um die seit mehr als 30 Jahren anhaltende Ungerechtigkeit endlich zu beenden.

Volle Kraft voraus für die Angleichung – die Schlechterstellung der Beschäftigten in Ostdeutschland bei den Arbeitsbedingungen sollte mittlerweile längst ein Fall für die Geschichtsbücher sein so wie der Trabi fürs Museum.

Mit dabei waren neben vielen anderen auch die Vertrauensleute aus dem Mercedes-Benz Werk in Berlin.

Beschäftigte aus Berlin und Brandenburg hatten sich auf der Oberbaumbrücke versammelt, um für die Angleichung Ost zu demonstrieren. Fotos (7): Christian von Polentz/transitfoto.de

Eine Delegation der Kolleginnen und Kollegen von Mahle Wustermark versammelte sich vor dem Betrieb in Brandenburg, um gemeinsam per Autokorso zur Kundgebung nach Berlin aufzubrechen.

Brandenburger Tor – der Autokorso führte die Kolleginnen und Kollegen von Mahle vorbei an längst überwundenden Symbolen der Deutschen Teilung. Fotos (2): Volker Wartmann

„Es ist ein besonderer, ein historischer Ort. Es ist der Ort des Zusammenwachsens. Es ist der Ort, der die Einheit symbolisiert“, sagte Michael Müller, der es sich – trotz vollem Terminkalender angesichts der Coronapandemie – nicht hatte nehmen lassen, an eben diesem historischen Ort, der Oberbaumbrücke in Berlin, zu den Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. Aus gutem Grund. „Wir kommen hier in einem besonderen Jahr zusammen. In einem Jahr, in dem wir am 13. August den 60. Jahrestag des Mauerbaus begehen werden. Und wir wissen: Wir sind zum Glück auch schon über 30 Jahre wiedervereint und die Mauer ist weg. Aber die Mauer muss überall weg, wo sie noch trennt. Und dass sie ausgerechnet im Arbeitsleben trennt, ist eine Schande. Und die muss beendet werden.“

Berlins Regierender Bürgermeister erklärte, dass es richtig sei, dass die IG Metall die Forderung Angleichung Ost in dieser Tarifrunde aufgerufen habe – trotz schwerer Zeiten. Denn: „Irgendwie höre ich seit 30 Jahren, dass irgendwie immer schwere Zeiten sind. Und es gibt immer wieder einen anderen Grund, warum es nicht geht, endlich für Gerechtigkeit in der Arbeitswelt zu sorgen.“

Michael Müller versicherte den Beschäftigten, dass das Land Berlin, der Senat, hinter ihrer Forderung steht, „und gemeinsam mit Euch kämpfen will. „Es geht gerade in Berlin nicht, dass wir diese Ungleichheit akzeptieren. Wir müssen dafür kämpfen, dass von Berlin aus auch das Signal ausgeht: Wir sind eins, in der Gesellschaft und in der Arbeitswelt!“, so Müller. „Für Euren Kampf wünsche ich Euch von Herzen viel Erfolg und viel Kraft. Wir sind an Eurer Seite. Wir wollen, dass sich was bewegt und dass wir gleichen Lohn für gleiche Arbeit bekommen.“

Kundgebung mit Delegationen aus Berliner und Brandenburger Betrieben
Aus Berlin und Brandenburg waren Delegationen von Beschäftigten aus den Betrieben nach Berlin gekommen, um – coronakonform mit Abstand, Maske und Anstand – an der Oberbaumbrücke für ihre Forderungen in der im Bezirk noch immer laufenden Tarifrunde ein deutliches Zeichen zu setzen. „Mehr als 30 Jahre nach der Wiedereinigung ist es wirklich niemandem mehr erklärbar, warum diesseits und jenseits des Flusses unterschiedliche Arbeitsbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie gelten“, sagte Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und IG Metall-Bezirksleiterin in Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Wenn wir uns rechts und links umschauen, dann stellen wir fest, dass andere Branchen die Angleichung längst geschafft haben, der öffentliche Dienst zum Beispiel oder die Stahl- und Textilindustrie und sogar die Leiharbeit. Nur in der Metall- und Elektroindustrie, Zugpferd für vieles und Leitindustrie, soll das nicht möglich sein.“

Welle der Solidarität und Unterstützung für die Metallerinnen und Metaller im Bezirk
Mit ihrer Forderung nach Gleichbehandlung und Gleichberechtigung ist die IG Metall nicht alleine. Täglich gehen neue Solidaritätsbotschaften ein, ebenso wie Unterstützungszusagen aus Politik und Gesellschaft. Auch die gesamte IG Metall steht hinter der Forderung nach Angleichung Ost. Während andere Tarifgebiete derzeit nach und nach den Pilotabschluss aus NRW übernehmen, hatte der Vorstand dem Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen Mitte April grünes Licht für die dritte Warnstreikwelle gegeben – unter Einschluss von ganztägigen Warnstreiks.

„Wir sind mittendrin in diesen ganztägigen Warnstreiks und ergänzenden und flankierenden weiteren Warnstreiks“, sagte Birgit Dietze. „Wir haben vergangene Woche vier volle Warnstreiktage hingelegt und an diesen vier Tagen fast so viele Warnstreikende draußen gehabt, wie in den ersten vier Woche dieser Auseinandersetzung. Die Arbeitgeber können sich überlegen, wie lange sie diesen Zustand noch aufrechterhalten möchten.“

Am morgigen Dienstag, 27. April, haben die Arbeitgeber die nächste Gelegenheit, die ganztägigen Warnstreiks zu beenden, wenn sie endlich konstruktiv mit der IG Metall über eine schrittweise Angleichung der Arbeitsbedingungen zu verhandeln. Die IG Metall verhandelt am 27. April mit dem Arbeitgeberverband Berlin-Brandenburg in fünfter Runde.

Forderungen der IG Metall
Die IG Metall fordert ein Volumen von 4 Prozent für Entgelterhöhungen oder zur Beschäftigungssicherung. Außerdem geht es um Zukunftstarifverträge, um die Transformation zu gestalten, und tariflich verbesserte Übernahmeregeln für Ausgebildete.
Dazu fordert die IG Metall im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen für die rund 290.000 Beschäftigten (110.000 in Berlin-Brandenburg und 180.000 in Sachsen) ein Tarifliches Angleichungsgeld, damit 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich Schluss ist mit der Ungleichbehandlung der Beschäftigten in Ost und West.

„Die IG Metall hat die Forderung nach dem Tariflichen Angleichungsgeld im Rahmen ihrer Gesamtstrategie bewusst nur in Berlin-Brandenburg und Sachsen aufgestellt. Daher sind die jetzt erfolgenden Pilotübernahmen in anderen Tarifgebieten keine Referenz“, sagt Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und Bezirksleiterin der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Das von den Arbeitgebern auch in der vierten Tarifverhandlung in Sachsen wiederholte Nein zum Tariflichen Angleichungsgeld befördert die in den Belegschaften bereits bestehende Empörung.“

Weitere Informationen sowie mehr Fotos sind auf den Seiten der IG Metall Berlin und der IG Metall Potsdam-Oranienburg zu finden.

Berichterstattung:

rbb24, 26. April: Zahlreiche Metall-Beschäftigte an Streikaktionen beteiligt
rbb24, 26. April: Nachrichten
Handelsblatt, 26. April: Birgit Dietze streitet hartnäckig für die Ost-Metaller
Berliner Zeitung, 26. April: Metall-Beschäftigte streiken für gleiche Arbeitsbedingungen
Süddeutsche Zeitung, 25. April: Die Metaller streiten weiter

 


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