BETRIEBSRATSWAHLEN 2022

„Der Betriebsrat steht in den kommenden Jahren vor enormen Herausforderungen“

  • 18.03.2022
  • vw/igm
  • Aktuelles, Betriebsratswahlen

ZF Getriebe in Brandenburg an der Havel ist eines der größten und wichtigsten Unternehmen in der Region. Als traditioneller Automobilzulieferer steht der Konzern – mit Stammsitz in Friedrichshafen – jedoch vor tiefgreifenden Veränderungen. Der Betriebsratsvorsitzende Sandro Hoffmann schildert, was der Betriebsrat unternimmt, um die Kolleginnen und Kollegen auf die anstehende Transformation vorzubereiten und für den Wandel fit zu machen.

Sandro Hoffmann in Aktion. (Bild: Volker Wartmann/IGM)

„Wir fertigen hier in Brandenburg derzeit Handschaltgetriebe für BMW, qualitativ hochwertige Doppelkupplungsgetriebe für den Kunden Porsche sowie Getriebe mit Hybridmodul. Zurzeit ist die Auftragslage sehr gut, wir suchen sogar noch Fachkräfte und stellen diese ein – allerdings befristet. Aber spätestens in ein paar Jahren wird damit Schluss sein. Als Automobilzulieferer stehen uns gewaltige Herausforderungen bevor. Unsere Produkte, Getriebe von Verbrennungsmotoren, wird es dann so nicht mehr geben. Wir müssen uns in den kommenden Jahren verändern und weiterentwickeln, das heißt, nach neuen und anderen Produkten suchen, um eine langfristige Zukunftsperspektive zu haben. Dabei ist auch der Betriebsrat enorm gefordert.

Noch machen sich nicht allzu viele Beschäftigten große Sorgen um ihre Zukunft, weil momentan noch ausreichend Arbeit vorhanden ist, regelmäßig sind sogar Überstunden am Wochenende notwendig. Auch sind die Arbeitsbedingungen bei uns ja überdurchschnittlich gut, die Kolleginnen und Kollegen haben einen Flächentarifvertrag und nach unserem erfolgreichen Arbeitskampf im Frühjahr 2021 wurde dieses Jahr die erste Stufe der Arbeitszeitverkürzung in Richtung 35-Stunden-Woche bei uns eingeführt. Das sind auch Ergebnisse unserer engagierten Betriebsratsarbeit – gemeinsam mit der Belegschaft – hier vor Ort.

ZF ist seit langem ein Leuchtturm in der Region. Hier gibt es qualitativ hochwertige Arbeitsplätze, gute Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten und interessante Ausbildungsplätze. Noch im vergangenen Herbst wurde ZF mit dem Brandenburgischen Ausbildungspreis für vorbildliches Engagement in der betrieblichen Ausbildung geehrt.

Angesichts der absehbaren Veränderungen müssen auch wir als Betriebsrat bereits jetzt die Weichen für die Zukunft stellen, wenn wir langfristig bestehen wollen. Dafür müssen wir uns zukunftsorientiert aufstellen. Der Gesamtbetriebsrat und auch der Betriebsrat hier vor Ort tun dafür bereits eine ganze Menge. Wir wollen die Transformation im Betrieb und im ZF-Konzern gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aktiv mitgestalten.

Dafür haben wir an unserem Standort die Zielbilddiskussion gestartet und einen paritätisch besetzten Steuerkreis eingerichtet. Ein Zukunftsbüro, bestehend aus einem Betriebsrat und einem Arbeitgebervertreter, koordiniert diese Aktivitäten. In sechs Arbeitsgruppen versuchen wir, Lösungsmöglichkeiten für die anstehenden Herausforderungen zu finden und führen Stärken-Schwächen-Analysen durch.

Betriebsrat und Geschäftsführung möchten gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen diese Zielbilddiskussionen führen, in denen wir überlegen, wie wir unsere Kompetenz im Betrieb in Zukunft nutzen und weiterentwickeln können: Zum Beispiel, wie und welche Präzisionsteile für andere Branchen wir entwickeln und produzieren könnten, die sonst kein anderer in der Qualität und Genauigkeit herstellen kann. Die Kolleginnen und Kollegen sind eingeladen, in einem „Zelt der Ideen“ Vorschläge und Verbesserungen einzubringen, die zukunftsträchtig sein könnten oder auch bestehende Prozesse verbessern können.

Wir müssen unseren Blick auch über den eigenen Horizont hinaus richten, wir werden so eine Transformation nicht alleine schaffen können. So verstärken wir beispielsweise unsere Zusammenarbeit mit Fachhochschulen, Universitäten und interessierten Start-Ups, um gemeinsam mit neuen Partnern zukunftsorientierte Ideen zu entwickeln.

Wir haben beispielsweise im vergangenen Jahr einen Aktionstag veranstaltet, um unsere Kolleginnen und Kollegen über die Chancen der E-Mobilität zu informieren und sie dafür zu begeistern. So konnten wir Autohäuser für ein Fahrevent auf dem Werksgelände gewinnen. Bei diesem Event hatten die Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit, während der Arbeitszeit Elektroautos Probe zu fahren und ein Gefühl für diese zukünftige Mobilität zu bekommen. Wegen der Coronapandemie und eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten haben wir bisher jedoch noch nicht alle Kolleginnen und Kollegen erreicht. Aber wir lassen selbstverständlich nicht locker. Es geht schließlich um die Zukunft von uns allen.

Ein weiteres großes Thema wird die Digitalisierung in der Firma sein. Ein Großteil der Arbeitsprozesse wird in den kommenden Jahren immer digitaler. Wichtig ist, den Kolleginnen und Kollegen zukunftsorientierte Weiterbildungen zu ermöglichen, um mit diesen neuen Werkzeugen umgehen zu können. Wenn bei uns demnächst im Frühjahr wegen eines notwendigen Bandumbaus für drei Wochen der Betrieb stillsteht, haben die Kolleginnen und Kollegen auf Initiative des Betriebsrats die Gelegenheit, sich eine Woche lang zu verschiedenen Themen weiterzubilden.

Unseren Auszubildenden im ersten Lehrjahr stellen wir in einem vom Betriebsrat initiierten Pilotprojekt bereits seit zwei Jahren ein Tablet zur Verfügung, damit sie gute Voraussetzungen fürs digitale Arbeiten und Lernen haben. Dies hat auch im Lockdown sehr geholfen, mit den Azubis in Kontakt zu bleiben. Best-Practise-Beispiele wie dieses werden anschließend oft vom Gesamtkonzern übernommen.

Es ist mehr als offensichtlich: Die kommenden Jahre stellen uns alle vor große Herausforderungen. Ich kandidiere erneut als Betriebsrat, weil ich mich weiterhin für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen einsetzen und die Transformation bei uns im Unternehmen aktiv mitgestalten möchte, denn die nächsten vier Jahre Transformation werden entscheidend sein."

 

Sandro Hoffmann, 47 Jahre, begann 1991 eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei ZF Getriebe in Brandenburg. Bereits während seiner Ausbildung engagierte er sich in der der Jugend- und Auszubildendenvertretung. 2006 wurde er erstmals in den Betriebsrat gewählt. Ende 2020 trat Hoffmann die Nachfolge der langjährigen Betriebsratsvorsitzenden Carmen Bahlo an. Außerdem engagiert er sich ehrenamtlich in der IG Metall Potsdam. Er ist Mitglied der Delegiertenversammlung und im Ortsvorstand – ehrenamtlicher – Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall-Geschäftsstelle Potsdam. Die Betriebsratswahlen bei ZF Getriebe in Brandenburg finden am 23. und 24. März statt


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