Stahl - Meldung mit Berichterstattung

„Gute Mitbestimmungskultur in Hennigsdorf“

  • 22.11.2016
  • aw
  • Aktuelles, Stahl

25 Jahre liegt die Betriebsbesetzung der damaligen Hennigsdorfer Stahl Gesellschaft zurück. 13 Tage harrten Beschäftigte im Werk aus und kämpften für ihre Arbeitsplätze und den Erhalt des Stahlwerks. Am 22. November 2016 von 10 bis 12 Uhr erinnerten der Betriebsrat der heutigen Hennigsdorfer Elektrostahlwerke und die IG Metall an die Besetzung.

Foto: IG Metall

„Das Stahlwerk wurde am 22. November 1991 besetzt. Die damals rund 5.000 Beschäftigten im Werk legten die Produktion still, um möglichst viele Arbeitsplätze und den Standort zu sichern“, berichtet Olivier Höbel, IG Metall Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Auch wenn Riva nicht der Wunsch-Investor war, stand nach 13 Tagen die Übernahme von 1.050 Beschäftigten fest.1991 erschien die Anzahl der Beschäftigten gering und stieß auf wenig Zustimmung. Heute arbeiten rund 650 Beschäftigte im Stahlwerk und in der modernen Weiterverarbeitung. Aus heutiger Sicht war es ein erfolgreiches Konzept. Alle Investitionszusagen von Riva, die auch ein Ergebnis der Betriebsbesetzung waren, wurden umgesetzt. Dafür kann H.E.S. sich auf motivierte Beschäftigte verlassen. Dies ist eine Standortgarantie, genauso wie die Beteiligung der Arbeitnehmer bei Entscheidungen. Die gute Mitbestimmungskultur der Stahlbranche findet auch in Hennigsdorf statt. Dabei haben Betriebsrat und IG Metall immer die Arbeitsplätze und den Standort im Blick.“

 

Am Mittwoch redeten auch Kollegen des Betriebsrates und der Geschäftsführung, Albrecht Gerber, Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg und Karl-Heinz Schröter, Minister des Innern und für Kommunales des Landes Brandenburg.

 

Symbolisch wurde am 22. November am ehemaligen Werktor verdeutlicht werden, dass nach 25 Jahren in Hennigsdorf immer noch Stahl geschmolzen und verarbeitet wird. Nach der Wiedervereinigung wurde der Betrieb von der Treuhand verwaltet und stand zum Verkauf. Die Kolleginnen und Kollegen des ehemaligen VEB Betriebes nahmen ihr Schicksal selbst in die Hand und beeinflussten damit positiv den Privatisierungsprozess.

 

Zur Geschichte:


In den heutigen Hennigsdorfer Elektrostahlwerken (H.E.S.) wurden über Generationen heiße Eisen angepackt. Im 100-Tage-Streik kämpften die Großväter 1929 für bessere Arbeitsbedingungen, gegen die schwere Arbeit und den verhältnismäßig geringen Lohn. Die Väter zogen 1953 zu den Borsig-Werken. Die Söhne besetzten 1991 den Betrieb.

 

Bereits der VEB Stahl- und Walzwerk Wilhelm Florin war ein innovativer Stahlbetrieb. Zu DDR-Zeiten gab es eine Kooperation mit dem nichtsozialistischen Ausland. Dies erleichterte den Übergang zur sozialen Marktwirtschaft. Die Privatisierung forderte alle heraus, es war eine harte Auseinandersetzung. Die Treuhandanstalt nahm wenig Rücksicht auf die Beschäftigten und die Zukunft der Standorte.


Dies wird auch durch die Streiks der 1990er Jahre und 2003 nicht getrübt. Stolz kämpften die Stahlarbeiter für mehr Entgelt und die Anpassung an den Westen in einem Stufen-Tarifvertrag sowie für kürzere Arbeitszeit. Mit dem gleichen Stolz sind sie mit ihren Arbeitsplätzen verbunden. Stolz, Qualifikation und Flexibilität sowie die Motivation sind nach wie vor eine Standortgarantie für H.E.S.

 

Auf www.youtube.com/igmbbs ist ein Rap-Song der Hennigsdorfer Kollegen zu hören und zu sehen.

 

Bericht in der MAZ Online am 22. November 2016

 

Bericht in der Morgenpost am 22. November 2016

 

 


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