Stahl Ost

Plus 6,5 Prozent für die Stahlbeschäftigten! Solidarisch und mit viel Druck zu mehr Geld

  • 17.06.2022
  • kk
  • Aktuelles, Stahl

Die mehr als 8500 Beschäftigten der ostdeutschen Stahlindustrie bekommen mehr Geld – sofort und dauerhaft. Die IG Metall und die Stahlarbeitgeber haben sich in der vierten Verhandlungsrunde am 17. Juni in Berlin auf die Übernahme des Tarifergebnisses der nordwestdeutschen Stahlindustrie verständigt. Der Abschluss beschert Beschäftigten und Auszubildenden ab 1. August 6,5 Prozent mehr Geld. Auch im Juni und Juli gehen sie nicht leer aus. Die Tarifkommission der ostdeutschen Stahlindustrie hat das Ergebnis im Anschluss der Verhandlung diskutiert und die Annahme empfohlen.

Der Druck der Beschäftigten hat Wirkung gezeigt. Sie bekommen sofort und dauerhaft mehr Geld. Foto: Volker Wartmann

Ab 1. August steigen die Entgelte und Auszubildendenvergütungen um 6,5 Prozent, für Juni und Juli bekommen Beschäftigte 500 Euro, Auszubildende erhalten 200 Euro. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 18 Monaten und endet am 30. November 2023.

„Dieses Verhandlungsergebnis beschert den Kolleginnen und Kollegen ein ordentliches Plus im Portemonnaie“, sagt Verhandlungsführerin und IG Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze. „In der aktuellen Situation hoher Inflation verschafft der Abschluss den Beschäftigten mehr Planbarkeit und finanziellen Spielraum. Die Stahlindustrie fährt derzeit hohe Gewinne ein und sie reicht die hohen Energie- und Rohstoffpreise vielfach an ihre Kunden weiter. Das können unsere Kolleginnen und Kollegen nicht. Aber sie sind es, die tagtäglich die Gewinne erwirtschaften und die für die Produktion erforderliche Flexibilität erbringen. Deshalb ist es gut, dass dieser Abschluss ihnen einen berechtigten Anteil an den Gewinnen verschafft.“

Außerdem einigten sich die IG Metall und die Stahlarbeitgeber auf die Verlängerung der Tarifverträge über Altersteilzeit, zur Beschäftigungssicherung und über den Einsatz von Werkverträgen. Für dual Studierende soll zudem bis zum 31. Juli 2023 ein Tarifvertrag vorliegen.

Daumen hoch für den Abschluss
Zustimmung fand das Ergebnis auch bei den betrieblichen Mitgliedern der Verhandlungskommission. Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender von Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt, berichtete zwar von Kritik, die viele Kolleginnen und Kollegen an der Laufzeit des Tarifvertrags üben, erklärte aber, dass das „im Wesen eines Kompromisses liegt; und jeder Tarifabschluss ist ein Kompromiss“. 6,5 Prozent mehr Geld „ist eine deutliche tabellenwirksame Erhöhung, so wie wir sie gefordert haben. Also: Daumen hoch für das Tarifergebnis und weiter Druck auf die Politik für staatliche, kaufkraftstabilisierende Ausgleichsmaßnahmen“, so Dirk Vogeler.

Das betonte auch Uwe Jahn, Betriebsratsvorsitzender der Schmiedewerke Gröditz: „Wir müssen jetzt gemeinsam den Druck auf die politischen Entscheider erhöhen, damit faire und wirksame Ausgleichsmaßnahmen, die bei den Menschen auch ankommen, umgesetzt werden. Unsere Tarifpolitik ist nicht der Reparaturbetrieb für aus dem Ruder laufende volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen.“

Ralf Herrmann, Betriebsratsvorsitzender im Mannesmannröhren-Werk Zeithain, erklärte, dass ihn dieses Verhandlungsergebnis "in Anbetracht der angespannten politischen und unsicheren konjunkturellen Situation sehr zufriedenstimmt, auch wenn ich mir sicher bin, dass wir bereit und in der Lage dazu wären, im Arbeitskampf einen Schritt weiterzugehen". „Er betonte aber auch, dass dies insbesondere auf die „machtvollen Warnstreikkundgebungen“ zurückzuführen sei.

Daumen hoch für das Tarifergebnis gab es auch von Volker Mittelstaedt, Betriebsratsvorsitzender bei Ilsenburger Grobblech, weil der Abschluss „in der Zahl nahe bei der Forderung und auch nahe bei der prognostizierten jahresdurchschnittlichen Inflation“ liegt.

Mehr als nur ein Motto: „Solidarität gewinnt!“
Einig waren sich alle, dass dieses Ergebnis nur gemeinsam erreicht werden konnte. Mit mehr als 20 Warnstreiks haben 3700 Beschäftigte der ostdeutschen Stahlindustrie über zweieinhalb Wochen so viel Druck erzeugt wie lange nicht mehr.

Ohne diese kraftvollen Signale ihrer Entschlossenheit, da ist sich IG Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze sicher, wären die Arbeitgeber nicht so schnell von ihrem Angebot einer Einmalzahlung abgerückt und hätten sich letztlich auch bei der Laufzeit nicht bewegt. „Der Zusammenhalt, den die Beschäftigten in der Stahlindustrie demonstriert haben, zeigt, was wir bewirken können, wenn wir viele sind und solidarisch sind. ,Solidarität gewinnt!‘ so lautet das Motto unserer Tarifrunde 2022. Die Stahlbeschäftigten haben es mit Leben gefüllt."

Der Abschluss wird nun in den Betrieben diskutiert, ehe die Tarifkommission noch einmal zusammenkommt, um das Ergebnis anzunehmen.

 


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