Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie

„Angleichung jetzt!“ – Beschäftigte setzen mit Warnstreiks deutliche Zeichen

  • 22.04.2021
  • tt
  • Aktuelles, Tarifrunde 2021, Metall-/Elektro

Die Wut im Bauch ist groß. Die Empörung der Metallerinnen und Metaller über die Blockadehaltung der Arbeitgeber in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie entlud sich auch am 22. April in Warnstreiks – ganztägig oder vorübergehend – und Aktionen. Mit großer Geschlossenheit forderten die Beschäftigten ihre Arbeitgeber im Bezirk auf, sich endlich zu bewegen und die Angleichung der Arbeitsbedingungen auf den Weg zu bringen.

Vor dem IG Metall-Haus demonstrierten Beschäftigte aus Berliner Betrieben unmittelbar vor Verhandlungsbeginn mit dem VME für Gerechtigkeit. Mehr als 30 Jahre nach der Deutschen Einheit machen die Arbeitgeber immer noch Unterschiede zwischen den Beschäftigten aus Ost und West.

Die Metallerinnen und Metaller machten deutlich, dass sie fest hinter den Forderungen ihrer IG Metall stehen. Fotos (2): Christian von Polentz/transitfoto.de

Warnstreik! Als die Sonne aufging, standen die Bänder still bei Porsche in Leipzig.

Angleichung und Zukunft sind die Themen, die den Beschäftigten besonders am Herzen liegen. Dafür kämpfen sie – mit Abstand, Maske und Anstand.

Solidaritätsbotschaft: Egal ob Standort in Ost oder West – die Beschäftigten sind eine große Porsche-Familie. Nur gleichbehandelt werden sie von der Unternehmensleitung nicht. Fotos (3): IG Metall

Zukunft sichern: Ab fünf Uhr in der Früh traten die Kolleginnen und Kollegen von Robert Bosch Power Tools in Sebnitz in den ganztägigen Warnstreik. Foto: IG Metall

Bewegung gegen den Stillstand: Warnstreik bei Heidelberger Druckmaschinen in Brandenburg an der Havel – Fotos (2): Volker Wartmann

Warnstreik in den Leipziger Siemens-Werken für Angleichung und Zukunft – Foto: IG Metall

Seit sechs Uhr stehen die Bänder stehen still, bei Porsche in Leipzig und zwar für einen ganzen Tag. Rund 4200 Kolleginnen und Kollegen traten am frühen Morgen in den ganztägigen Warnstreik. Unterstützung erhielten sie dabei von Alexander Schurr, Vertrauenskörperleiter bei Porsche in Zuffenhausen. Er überbrachte seinen ostdeutschen Kolleginnen und Kollegen persönlich solidarische Grüße aus Baden-Württemberg.

Weitere Fotos vom Warnstreik bei Porsche gibt es auf der Internetseite der IG Metall Leipzig.

Warnstreik bei Heidelberger Druckmaschinen in Brandenburg
Rund 100 Beschäftigte der Frühschicht waren bei Heidelberger Druckmaschinen in Brandenburg an der Havel dem Aufruf der IG Metall zum Warnstreik gefolgt. Viel Bewegung war während dieser Zeit nur vor dem Tor, dahinter stand der Betrieb weitgehend still.

„Wir sind jetzt voll in der Warnstreikphase angekommen“, sagte Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Potsdam, und zählte auf, in welchen Betrieben in dieser Woche schon ganztägige Warnstreiks laufen. „Das ist noch nicht das Ende“, kündigte sie an. „Wenn die Arbeitgeber sich in der heutigen Verhandlung für Berlin-Brandenburg nicht endlich bewegen, setzen wir unsere Warnstreiks auch in der kommenden Woche fort.“ Aus gutem Grund: „Wir lassen es nicht länger zu, dass Ostdeutschland die Sparbüchse der Arbeitgeber ist.“

Weitere Fotos und Infos rund um den Warnstreik bei Heidelberger Druck gibt es auf der Internetseite der IG Metall Potsdam-Oranienburg.

Novum für Bosch-Beschäftigte in Sebnitz: erster ganztägiger Warnstreik
Der 22. April ist für Bosch Powertools in Sebnitz ein Tag, der in die Geschichtsbücher gehört. Zum ersten Mal in ihrer Firmengeschichte in Ostsachsen legten die Kolleginnen und Kollegen ihre Arbeit ganztägig nieder. Die IG Metall hatte alle 460 Beschäftigten am Standort zur Teilnahme aufgerufen. Wegen der Coronapandemie verbrachten die meisten Kolleginnen und Kollegen den Tag zu Hause, lediglich ein Streikposten auch 10 bis 15 Metallerinnen und Metaller verbrachte den Tag vor Ort. Sie bekamen zuweilen Besuch von Delegationen anderer tarifgebundener ostsächsischer Betriebe, darunter auch von Kolleginnen und Kollegen der Alstom-Standorte in Ostsachen oder von Siemens in Görlitz.

Vor allem die Ungleichbehandlung der Beschäftigten in Ost und West beschäftigt die Metallerinnen und Metaller bei Bosch in Sebnitz. Für die Angleichung sind sie vor allem in den ganztätigen Warnstreik getreten. „Wir haben bereits zwei gute Warnstreiks in Sebnitz auf die Beine gestellt, mit der heutigen Aktion legen wir nach", sagte Jens Ehrlichmann, Betriebsratsvorsitzender von Bosch Powertools Sebnitz, am frühen Morgen. „Es gibt keinen vernünftigen Grund, warum es noch immer diese Ungleichstellung gibt. Sie ist auch ein Grund dafür, dass Fachkräfte abwandern und eher im Westen ihren Arbeits- und damit ihren Lebensmittelpunkt suchen. Bosch ist ein breit aufgestellter Konzern, der in seinen Geschäftsfeldern unterschiedlich hart von der Entwicklung am Markt betroffen ist. So sind Sparten wie die Automobilzulieferer arg betroffen, andere konnten sich besser durch die Krise retten. Power Tools hat beispielsweise 2020 ein Rekordergebnis erreicht. Unsere Forderung ist deutlich und rechtens: Nach 30 Jahren sollte es keine Unterschiede in der Bezahlung zwischen West und Ost geben. Wir fordern die Angleichung Ost, und wollen, dass das endlich vom Tisch ist.“

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen ergänzte: „Wir haben ein hohes Interesse daran mit dem sächsischen Arbeitgeberverband eine Flächenlösung für das tarifliche Angleichungsgeld herbeizuführen. Bisher gibt es dazu seitens des VSME jedoch keinerlei Bewegung. Daher müssen wir jetzt einen Gang hochschalten und gehen in die ganztätigen Streiks. Diese Eskalation hat der Arbeitgeberverband selbst zu verantworten. Es reicht!“

Weitere Informationen zum ersten ganztägigen Warnstreik bei Bosch in Sebnitz sind auf der Internetseite der IG Metall Ostsachsen zu finden.

Warnstreiks in Leipziger Siemens-Werken
In Leipzig hatte die IG Metall die Beschäftigten von zwei Siemens-Werken zum Warnstreik aufgerufen: Und die Kolleginnen und Kollegen folgten dem Aufruf: Rund 50 Beschäftigte von Siemens Schaltanlagenbau legten um 12.15 Uhr in Böhlitz-Ehrenberg ihre Arbeit nieder. Im Plagwitzer Kompressorenwerk von Siemens Energy Compressors wurden 40 Kolleginnen und Kollegen der Frühschicht nach einer kurzen Kundgebung in den früheren Feierabend geschickt.

Weitere Fotos vom Warnstreik in den Leipziger Siemens-Werken gibt es auf der Homepage der IG Metall Leipzig.

Ein weiterer ganztägiger Warnstreiks fand bei Mercedes-Benz in Ludwigsfelde statt. Vorübergehend legten auch die Kolleginnen und Kollegen, bei Koenig & Bauer in Radebeul ihre Arbeit nieder. Am Nachmittag findet außerdem vor dem IG Metall-Haus in Berlin eine verhandlungsbegleitende Aktion von Beschäftigten statt. Die vierte Tarifverhandlung mit dem Arbeitgeberverband für Berlin-Brandenburg (VME) fand um 16 Uhr stattt.

 

Forderungen der IG Metall
Die IG Metall fordert ein Volumen von 4 Prozent für Entgelterhöhungen oder zur Beschäftigungssicherung. Außerdem geht es um Zukunftstarifverträge, um die Transformation zu gestalten, und tariflich verbesserte Übernahmeregeln für Ausgebildete.

Dazu fordert die IG Metall im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen für die rund 290.000 Beschäftigten (110.000 in Berlin-Brandenburg und 180.000 in Sachsen) ein Tarifliches Angleichungsgeld, damit 30 Jahre nach der Wiedervereinigung endlich Schluss ist mit der Ungleichbehandlung der Beschäftigten in Ost und West.

„Die IG Metall hat die Forderung nach dem Tariflichen Angleichungsgeld im Rahmen ihrer Gesamtstrategie bewusst nur in Berlin-Brandenburg und Sachsen aufgestellt. Daher sind die jetzt erfolgenden Pilotübernahmen in anderen Tarifgebieten keine Referenz“, sagt Birgit Dietze, Verhandlungsführerin und Bezirksleiterin der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Das von den Arbeitgebern auch in der vierten Tarifverhandlung in Sachsen wiederholte Nein zum Tariflichen Angleichungsgeld befördert die in den Belegschaften bereits bestehende Empörung.“


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