Stahl Ost - erste Verhandlung

Doppelt herausfordernd: IG Metall weist Angebot der Stahl-Arbeitgeber zurück

  • 17.05.2022
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  • Aktuelles, Stahl

Doppelt herausfordernd – die IG Metall hat das Angebot der Arbeitgeber für die Tarifrunde in der ostdeutschen Stahlindustrie zurückgewiesen. „Das Volumen ist zu gering. Aber vor allem eine erneute Einmalzahlung ist für die Beschäftigten nicht akzeptabel“, sagte Birgit Dietze, IG Metall-Bezirksleiterin und Verhandlungsführerin für Stahl Ost.

Das Angebot der Arbeitgeber in der ersten Verhandlungsrunde kam überraschend. Es sieht eine Einmalzahlung von 2100 Euro für zwölf Monate vor. Die Arbeitgeber erklärten, dieses Angebot sei befristet bis zur nächsten Verhandlung am 24. Mai. „Mit der guten Lage der Stahlindustrie und der Stimmung in den Betrieben ist dieses Angebot bisher nicht vereinbar“, stellte Dietze, Leiterin des IG Metall-Bezirks Berlin Brandenburg Sachsen, klar. „Die Kolleginnen und Kollegen fordern mit Nachdruck eine tabellenwirksame Erhöhung der Monatsentgelte. Aber nicht nur die Struktur steht im Widerspruch zur aktuellen Situation. Auch das Volumen ist angesichts der außergewöhnlich guten Geschäftslage der Stahlunternehmen noch zu gering.“ Die IG Metall fordert eine 8,2 prozentige Erhöhung der Monatsentgelte.  „Die Stahlbranche profitiert von einer Sonderkonjunktur mit vollen Auftragsbüchern und üppigen Gewinnen. Die Beschäftigten erwarten zu Recht, dass sie angemessen an der guten Geschäftsentwicklung beteiligt werden“, so Dietze.

Sie erinnerte an die beiden „Vernunft-Abschlüsse in der Stahlindustrie“, mit denen die IG Metall auf die instabile wirtschaftliche Lage in der Corona-Pandemie reagiert habe. „Beide Male haben die Beschäftigten in den Stahlbetrieben erlebt, dass die Gewinne anschließend in die Höhe schossen. Ein drittes Mal darf sich dies nicht wiederholen“, so Dietze. „Niemand bestreitet, dass die wirtschaftliche Lage erneut extrem unsicher ist. Aber es kann nicht sein, dass jedes Mal die Beschäftigten die Kosten der Unsicherheit alleine tragen.“

In der Stahlindustrie ist laut Dietze im Unterschied zu anderen Branchen von Krise nichts zu spüren. „Durch den Krieg entfallen mit Russland und der Ukraine zwei große Produzentenländer auf den Weltmärkten. Die Unternehmen schaffen es kaum noch, die Aufträge abzuarbeiten. Die Kolleginnen und Kollegen in den Stahlwerken fahren Extraschichten und legen sich ins Zeug, damit ihre Betriebe liefern können. Sie fordern, dass die Arbeitgeber dies jetzt auch in der Tarifrunde anerkennen.“

Hinzu kommt die hohe Inflation, die allen Beschäftigten zu schaffen macht. „Die Stahlkonzerne geben die höheren Kosten für Energie und andere Rohstoffe durch Preisaufschläge an ihre Kunden weiter. Die Stahlarbeiter und  -Arbeiterinnen können das nicht“, so Dietze. „Es geht jetzt auch darum, die Kaufkraft der Kolleginnen und Kollegen zu schützen und zu stärken und zwar monatlich.“

Die IG Metall-Verhandlungsführerin für das Tarifgebiet Stahl Ost rief die Arbeitgeber auf, in der zweiten Verhandlungsrunde ein neues Angebot vorzulegen, das die Erwartungen der Beschäftigten und die Sonderkonjunktur der Branche widerspiegelt. Die Friedenspflicht endet am 31. Mai. Dietze betonte: „Die Beschäftigten sind sehr entschlossen, ihre Forderungen durchzusetzen, und bereiten die ersten Aktionen bereits intensiv vor.“

Die nächsten Termine

24.05.2022: Zweite Verhandlung

31.05.2022: Ende der Friedenspflicht

Stimmen aus den Betrieben

Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender ArcelorMittal Eisenhüttenstadt: „Dieses Angebot entspricht in der Höhe und der Struktur nicht unserer Forderung. Die Betriebsergebnisse geben viel mehr her. Die Preissteigerungen sind täglich zu spüren und belasten das monatliche Einkommen sehr. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind sehr entschlossen ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen. “

Uwe Jahn, Betriebsratsvorsitzender Schmiedewerke Gröditz: „Ein Festbetrag geht in die falsche Richtung. Die Kollegen brauchen angesichts der sehr wahrscheinlich dauerhaft gestiegenen Preise auch ein dauerhaftes Lohnplus. Alles andere wäre nicht zu vermitteln. Unsere Forderung von 8,2 Prozent Tabellenerhöhung für 12 Monate war als ergebnisnahe Forderung formuliert. Das Angebot der Arbeitgeber bleibt Lichtjahre davon entfernt.“

Volker Mittelstädt, Betriebsratsvorsitzender Ilsenburger Grobblech: „Die Ilsenburger Grobblech GmbH ist sehr gut ins Jahr 2022 gestartet. Die Auftragsbücher sind sehr gut gefüllt und die Erlössituation exzellent. Die Ergebnissituation des 1.Quartals 2022 ist ebenfalls hervorragend. Die Arbeitgeberseite hat in der ersten Verhandlungsrunde ein Angebot auf den Tisch gelegt, welches aber unserer Forderung von 8,2 Prozent nicht gerecht wird. Wir wollen eine tabellenwirksame Entgelterhöhung, die der Gesamtsituation in der Stahlindustrie entspricht.“

 


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