#Fairwandel - IG Metall-Kundgebung und Demo in Berlin

#FairWandel: Jugenddemo mit Sturm auf die Arbeitszeitmauer

  • 29.06.2019
  • kk
  • Aktuelles, Studierende/Hochschule, Jugend/Azubis

"Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut." Lautstark, bunt und entschlossen zogen Tausende junger Metallerinnen und Metaller vom Neptunbrunnen vorm Roten Rathaus zum Brandenburger Tor. Ihre Mission: Eintreten für eine soziale, ökologische und demokratische Transformation und eine faire Gesellschaft mit gleichen Arbeitsbedingungen und gleichen Arbeitszeiten in Ost- und Westdeutschland.

Demozug der IG Metall Jugend vom Neptunbrunnen vorm Roten Rathaus zum Brandenburger Tor - Fotos: IG Metall

Die Arbeitszeitmauer trennt Ost und West auch 30 Jahre nach dem Mauerfall noch ...

... aber nicht mehr lange. Symbolisch wurde sie bereits am Samstag von der Demo gestürmt und niedergerissen.

Vor dem Reichstag stoppte der Demozug kurz, um anschließend die Mauer zu stürmen.

35 reicht! - Dafür kämpft die IG Metall.

Demozug in Reichstagsnähe

Auch die Jugend aus Eisenhüttenstadt beteiligte sich mit einer großen Delegation an der Demonstration.

Weithin sichtbar kündeten die Helium-Ballons, die im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen besonders unter den Nägeln brennt: 35 reicht!

Bälle der IG Metall Jugend mit Botschaften

An der Humboldt-Universität waren Hürden mit Bildungsthemen aufgebaut.

500 mit Helium gefüllte Ballons sorgten für eine weithin sichtbare Verbreitung der Botschaft, dass die Arbeitszeitangleichung Ost überfällig ist: 35 reicht!

Rot war die beherrschende Farbe am Samstag, 29. Juni, in Berlin: Fahnen, Kappen, T-Shirts - alles in IG Metall-Rot.

Organisiert von der IG Metall Jugend im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen hatten sich junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter aus ganz Deutschland am Morgen bei strahlendem Sonnenschein, wolkenlos blauem Himmel und hochsommerlichen Temperaturen in Sichtweite des Roten Rathauses getroffen. Die ehrenamtlich Aktiven der Jugend haben viel zum Gelingen der Demo beigetragen, haben viele Stunden im Vorfeld eingebracht, um zu planen, vorzubereiten oder Schilder zu malen und und Banner zu entwerfen. Auch bei der Demo selbst waren sie an vorderster Front dabei. Robert Hieke aus Ostsachsen zum Beispiel hat den Demozug moderiert, Jessica Haspel (Daimler Berlin), Enrico Wiesner (Siemens Berlin) oder Julian Sterf (dual Studierender) haben packende Reden gehalten.

Gemeinsam haben sie mit den rund 3000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit dem Demozug schon vor der eigentlichen Großkundgebung der IG Metall, die am Brandenburger Tor stattfand, ein Zeichen gesetzt, schließlich geht es um ihre Zukunft - um ihre Welt, in der sie leben müssen. Dass sie die mitgestalten wollen, machten sie an diesem Tag unmissverständlich deutlich. Sie, so ihre Botschaft, wollen bei der Transformation der Arbeitswelt gehört werden, den Klimawandel nicht einfach hinnehmen.

Sie müssen diesen Weg nicht allein gehen, die IG Metall kämpft an ihrer Seite. Christiane Benner, Zweite Vorsitzende der IG Metall, Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, oder Olivier Höbel, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, und viele weitere Funktionäre ihrer Gewerkschaft signalisierten ihre Unterstützung. Sie begleiteten die Jugend auch auf ihrem Demonstrationszug, der sie über den "Baustellen-Boulevard" Unter den Linden an der Humboldt-Universität vorbei Richtung Brandenburger Tor führte.

An verschiedenen Stationen der Strecke fanden Aktionen statt, die die Bezirksjugend zuvor geplant hatte. An der Humboldt-Universität zum Beispiel standen Hürden mit Themen der dual Studierenden, mit denen sie im dualen Studium zu kämpfen haben: "BBiG", "Bindungsklause" oder "IHK Abschluss?" ist da unter anderem zu lesen.

An der Europäischen Kommission hatten die Aktiven aus dem EKO-Stahlwerk in Eisenhüttenstadt Stellung bezogen. Mit viel Rauch und einem riesigen Banner forderten sie: "Jetzt die Kurve kriegen". Eine Anspielung auf das CO2-Zertifikat Handel für eine globale saubere Stahlproduktion.

Als der Demozug den Mauerübergang in unmittelbarer Nähe des Reichstags erreichte, wurde er kurz ausgebremst. Eine Mauer - die Arbeitszeitmauer, die es auch 30 Jahre nach dem Mauerfall zwischen Ost- und Westdeutschland, zwischen Ost- und Westberlin immer noch gibt - hatte sich den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaften in den Weg gestellt. Gemeinsam mit Christiane Benner und Hans-Jürgen Urban stürmten die jungen Demonstranten die Mauer und brachten sie zu Fall.

Dass das nicht nur symbolisch geschieht, ist Ziel der gesamten IG Metall. Das versicherte Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, den Metallerinnen und Metallern bei der Grokundgebung in seiner Rede. "Es ist nicht fair, wenn das Brandenburger Tor, wo wir uns heute versammelt haben, die Menschen weiter teilt. Im Westen arbeiten die Menschen 35 Stunden, im Osten 38. In dieser IG Metall setzen wir uns gemeinsam solidarisch dafür ein, dass diese Ungleichheit ein Ende hat. Ungleichheit treibt die Menschen in die Fänge der Demagogen am rechten Rand. Fairer Wandel erfordert eine klare Absage an Hetzer und Populisten am rechten Rand." Hofmann forderte die Arbeitgeber auf, sich endlich ihrer Verantwortung in dieser sozialen Frage zu stellen und sie nicht mit Füßen zu treten. Am 22. Juni, hatte die IG Metall Gespräche mit Gesamtmetall ergebnislos und ohne Vereinbarung weiterer Termine beendet, weil die Arbeitgeber sich in der Arbeitszeitfrage hin zur 35-Stundenwoche im Osten auch in der sechsten Verhandlungsrunde nicht bewegen wollten.

Birgit Dietze, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, ging in ihren Begrüßungsworten ebenfalls auf die Angleichung der Arbeitszeit Ost ein: "28 Jahre lang trennte die Mauer - und hier an dieser Stelle das Brandenburger Tor - die Menschen in Ost und West. Seit 30 Jahren ist das vorbei. Darüber freuen wir uns an diesem historischen Ort. Aber eine andere Mauer trennt auch heute, drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall, die Menschen in der Metall- und Elektroindustrie immer noch. Im Osten arbeiten die Kolleginnen und Kollegen für das gleiche Geld drei Stunden pro Woche mehr. Das ist nicht gerecht. Deshalb setzen wir heute  mit unserer Kundgebung an diesem Tor des Friedens auch ein großes Signal für den sozialen Frieden in diesem Land."

Weitere Infos zur Großkundgebung gibt es hier.